Hochschulkonzerte, Konzerte im Rittersaal u. Rosengarten, Orchester, Oper, Chor, Ballett

Orchesterkonzert

Ludwig Balser, Violine
(Klasse Prof. Dora Bratchkova)
Sinfonieorchester der Musikhochschule
Leitung: Johannes Klumpp, als Gast

Sonntag, 13. Oktober 2019
19:00
Uhr
Rosengarten
Musensaal
Rosengartenplatz 2
68161 Mannheim
€ 5,-/erm. 2,50

Programm

 

 

 

 

Rudi Stephan
1887-1915

 

 

 

 

Musik für Orchester (1912)

 

 

Maurice Ravel
1875-1937

 

 

„Tzigane"

Rhapsodie für Violine und Orchester

 

Ludwig
Balser, Violine

(Klasse
Prof. Dora Bratchkova)

 

 

 

PAUSE

 

 

Igor Stravinsky

1882-1971

 

 

Petruschka
(1947)

- Auf dem Fastnachtsmarkt
- Bei Petruschka
- Bei dem Mohren
- Fastnachtsmarkt und Petruschkas Tod

 

 

 

Sinfonieorchester
der Musikhochschule

Leitung:
Johannes Klumpp als Gast

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir weisen darauf
hin, dass Bild- und / oder Tonaufnahmen bei der Veranstaltung aus
urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet sind.

Zum Konzert des
Hochschulorchesters

 

Ciboure,
Lomonossow und Worms: Die Geburtsorte von Maurice Ravel, Igor Strawinsky und
Rudi Stephan spannen einen weiten europäischen Bogen vom äußersten Südwesten
Frankreichs über die Nibelungenstadt am Rhein bis ins nordwestliche Russland.
Auch in kultureller Hinsicht reicht der Bogen weit: vom kleinen Hafen am
Atlantik nahe der Pyrenäen über eine der ältesten deutschen Städte bis zu
prunkvollen zaristischen Palais aus dem 18. Jahrhundert dicht bei St.
Petersburg.

Zugleich
gehörten Ravel, Strawinsky und Stephan - geboren 1875, 1882 und 1887 - zu
einer Generation, deren Kompositionen die Musik in den ersten Jahrzehnten des
20. Jahrhunderts maßgeblich prägen sollten. Dabei entwickelten sie ganz
unterschiedliche stilistische Facetten, die gern allzu grob mit Schlagworten
wie „Impressionismus", „Folklorismus" oder „Expressionismus" etikettiert
werden. Es lohnt sich aber genauer hinzuhören.

 

Rudi Stephans
„Musik für Orchester"
eröffnet ein Panorama kompositorischer Ausrichtungen
um 1900: Nach kurzer Studienzeit in Frankfurt/Main zog es Stephan 1906 weiter
nach München. Dort konnte er bei einer Reihe von Musikfesten die aktuellen
Strömungen seiner Zeit und vorangegangene Entwicklungen kennenlernen: Auf ein
Brahms-Fest im Jahr 1909 folgten 1910 ein Strauss-Fest im Juni, im September
ein Zyklus mit allen Sinfonien Beethovens und weiterer Sinfonien bis hin zu
Brahms und Bruckner. Mahlers 8. Sinfonie wurde uraufgeführt. Ebenso fand im
September 1910 ein Fest mit neuer französischer Musik statt. Es wundert also
nicht, dass ein derart intensives Konzertleben in München bei Stephan seine
Spuren hinterlassen hat, die in seiner 1912 entstandenen  „Musik für Orchester" auch deutlich zu
hören sind. Die entsprechend vielfältige Klangpalette verknüpft Stephan zu
einem orchestralen Charakterstück. Zwar wird es motivisch zusammengehalten,
doch geht es weniger um die kompositorische Konstruktion, sondern vor allem
um die klangliche Sinnlichkeit von Musik, die immer wieder besonders durch
Kontraste erfahrbar wird. Die „Musik für Orchester" bildete dank ihrer
erfolgreichen Uraufführung 1913 beim 48.
„Tonkünstlerfest" in Jena den Auftakt für Stephans Anerkennung als
Komponist.

 

Maurice Ravels
„Tzigane"
,
von 1922 bis 1924 für die ungarisch-englische Geigerin Jelly d'Aranyi
komponiert, wurde von dieser zunächst in London im April 1924 in der Fassung
für Violine und Klavier uraufgeführt. In den Jahren zuvor, 1922 und 1923,
hatte d'Aranyi bereits zusammen mit Béla Bartók dessen Sonaten für Violine
und Klavier Nr. 1 und Nr. 2 aus der Taufe gehoben. Ende November 1924 erklang
„Tzigane" in Paris erstmals in der Version für Violine und Orchester. Ravel
bewegte sich mit „Tzigane" innerhalb einer Entwicklung, die auf verschiedene
Facetten südosteuropäischer Musik zurückgriff, vor allem mit Liszts
„Ungarischen Rhapsodien" Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und bis
hin zu Bartóks Schaffen reichte. Diesen Zusammenhängen war sich Ravel
natürlich bewusst. So sah er in „Tzigane" ein „Virtuosenstück im Stile einer
ungarischen Rhapsodie". Der erste  Teil
ist der Solo-Violine allein vorbehalten. Die fragmentarische Anlage mit ihren
unvorhersehbaren Wendungen verleiht diesem Teil einen improvisatorischen  Duktus. Mit dem Einsatz des Orchesters
entwickeln sich dann im Dialog mit der Solo-Violine tänzerische Züge, die in
ganz unterschiedliche Klangschattierungen gehüllt werden.

 

Igor Strawinskys „Petruschka" - zeitlich zwischen dem
„Feuervogel" und „Le Sacre du Printemps" entstanden - erlebte am 13. Juni
1911 in Paris seine Premiere. Komponiert für Sergej Diaghilews „Ballets
Russes"  choreographierte Michail Fokin
die Uraufführung, in der Vaclav Nijinsky als Petruschka die Hauptrolle
tanzte. Nach Paris kam es zu weiteren erfolgreichen Aufführungen von
„Petruschka" in London 1913 sowie in New York 1916.

Die
Handlung spielt auf einem Jahrmarkt in St. Petersburg in den 1830er Jahren.
Im Mittelpunkt stehen die drei Jahrmarktpuppen Petruschka, die Ballerina und
der Mohr. Indem ihr Theaterdirektor sie mit seiner Flöte berührt, beginnen
die Puppen zu tanzen, entwickeln menschliche Züge und geraten in dramatische
Konflikte. Für die kompositorische Umsetzung nutzte Strawinsky Anklänge an
russische Folklore, Jahrmarktklänge oder den Walzer. Harte Schnitte lassen
unterschiedliche Klangblöcke immer wieder abrupt aufeinanderfolgen. Die
oftmals klangliche Schroffheit, die gelegentlich durch simultane tonale
Störungen noch verschärft wird, entwickelt einen Hang zur Parodie. Dazu
tragen erst recht die für Strawinsky so charakteristischen schnellen
Taktwechsel und metrisch irritierenden Akzente bei. 1947 überarbeitete der
Komponist seine mittlerweile mehr als drei Jahrzehnte zurückliegende Partitur
zu „Petruschka". Vor allem reduzierte er die Orchesterbesetzung und bemühte
sich um eine größere klangliche Ausgewogenheit.

 

Trotz
der großen Entfernung zwischen ihren Geburtsorten - dreieinhalbtausend
Kilometer liegen zwischen Ciboure und Lomonossow - lernten sich Ravel und
Strawinsky 1910 persönlich kennen, und zwar in Paris. Strawinsky reiste
erstmals in die französische Hauptstadt und traf dabei auch seinen
französischen Kollegen. Ravel war bereits in seinem Geburtsjahr 1875 mit
seinen Eltern nach Paris gezogen. Über Jahrzehnte hinweg prägten beide
Komponisten die Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

So
viel Zeit bekam Rudi Stephan nicht. Bereits im Alter von 28 Jahren starb er
am 29. September 1915, zwei Tage nach seiner Ankunft an der Ostfront in
Ternopil, das heute in der westlichen Ukraine liegt, damals aber noch zu
Österreich-Ungarn gehörte. Damit ereilte Stephan im 1. Weltkrieg dasselbe
sinnlose Schicksal wie viele Millionen weitere Menschen, darunter auch der
Pianist Frederick Kelly, Jelly d'Aranyis große Liebe, sowie die Maler August
Macke und Franz Marc. 

 

Prof. Dr. Jürgen
Arndt

 

 

 

 

 

Johannes Klumpp ,
Dirigent

„Schon mit dem
allerersten Takt war zu spüren, dass diese Interpretation von einer
Emotionalität befeuert sein würde, die in einer beständigen Spannung
gesteigert wurde. Der Dirigent verlieh auf diese Weise dem instrumentalen
ersten Teil eine lebendige Beweglichkeit, die großen Enthusiasmus entfachte."
Scherzo

 

Als kreativer
Partner des Orchesters entwickelt Johannes Klumpp ungewöhnliche Programme vom
späten Barock bis zur klassischen Moderne, die das Publikum begeistern. Seit
der Saison 2013/2014 arbeitet er als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter
mit den jungen Musikern des Folkwang Kammerorchesters Essen. Im Rahmen der
Reihe ExtraKlang - veranstaltet im Weltkulturerbe Zeche

Zollverein - entwirft er dabei
innovative Programmformate und kooperierte mit bekannten Persönlichkeiten wie
dem Schauspieler Rufus Beck, dem Komponisten und Pianisten Hauschka und dem
verstorbenen Publizisten Roger Willemsen.

Eine rege
Konzerttätigkeit führt Johannes Klumpp zudem zu renommierten Orchestern,
darunter das Konzerthausorchester Berlin, die Düsseldorfer Symphoniker, die
Dresdner Philharmonie, das WDR Funkhausorchester Köln, das Staatsorchester
Stuttgart, die Münchener, Stuttgarter und Nürnberger

Sinfoniker, das
Russian Philharmonic Orchestra sowie die Kammerakademie Potsdam. Seine
jüngste Einspielung mit dem Stuttgarter Kammerorchester und dem Fagottisten
Matthias Rácz mit Werken von Françaix, Tomasi, Jolivet und Villa-Lobos wurde
von der Kritik hochgelobt.

Auch in der Oper
wird Johannes Klumpp - als „Sängerdirigent par exellence" von der Presse gepriesen
- sehr geschätzt. Zuletzt erhielt sein Figaro am Tiroler Landestheater
Innsbruck große Beachtung. Insbesondere dem Werk Mozarts fühlt sich Klumpp
eng verbunden; gleichzeitig umfasst sein vielfältiges Musiktheater-Repertoire
bereits seit seiner Zeit als Erster Kapellmeister des Musiktheaters im Revier
in Gelsenkirchen Werke von Händels Flavio und Monteverdis Lamenti bis
hin zu Verdis Aida, Puccinis Manon Lescaut, Nicolais Die
Lustigen Weiber von Windsor
und Gounods Faust.

Um den Dialog mit
dem Publikum zu fördern nutzt Johannes Klumpp regelmäßig die Form des moderierten
Konzertes. Er ist überzeugt: „In der heutigen Zeit müssen wir den Menschen
den Weg zu dem, was wir so sehr lieben, zeigen. Sie über die Schwelle führen.
"
Dies gelingt auch äußerst eindrücklich in Sachsen-Anhalt, wo er 2013 zum
künstlerischer Leiter der Sommer Musik Akademie Schloss Hundisburg ernannt
wurde. Zusammen mit seinem Team ermöglicht er dort in einem ländlichen Umfeld
fern der Kulturmetropolen herausragende Musikerlebnisse.

In die Saison
2018/2019 startet Johannes Klumpp am Pult des Jungen Philharmonischen
Orchesters Niedersachsen, gefolgt von Wiedereinladungen zu den Hofer
Symphonikern, dem Landesjugendorchester Baden-Württemberg, dem Thailand
Philharmonic Orchestra  und der Deutschen
Philharmonie Merck. Unter seiner Leitung gibt die Philharmonie Südwestfalen
ihre große Neujahrskonzertreihe in der Region. Im Frühling 2019 debütiert
Johannes Klumpp im Rahmen eines

Gastspiels in
Bogota beim Dresdner Festspielorchester.

Der gebürtige
Stuttgarter erlernte neben einem Violastudium sein Handwerk bei Nicolás
Pasquet und Gunter Kahlert in Weimar. 2007 machte er mit einem 2. Platz beim
Dirigentenwettbewerb in Besançon auf sich aufmerksam. Es folgten
Auszeichnungen beim Deutschen Hochschulwettbewerb „in memoriam Herbert von
Karajan", bei dem er sowohl mit dem Ersten als auch einem Sonderpreis

geehrt wurde, sowie
2011 beim Deutschen Dirigentenwettbewerb. Meisterkurse bei namhaften Dirigenten
wie Kurt Masur, Gennady Rozhdestvensky und Michail Jurowski rundeten seine
künstlerische Ausbildung ab, während derer Johannes Klumpp als „Maestro von
Morgen" vom Deutschen Musikrat gefördert wurde.

 

 

Ludwig Balser wurde im März 1999
in Heidelberg geboren. Bereits mit 4 Jahren bekam er seinen ersten Violin-
und Klavierunterricht.

Von
2007 bis 2016 lernte er bei Prof. Valeri Gradow in Mannheim und Lugano. Seit
Oktober 2017 studiert Ludwig Balser bei Prof. Dora Bratchkova an der
Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim.

Seit
2011 gibt Ludwig Balser regelmäßig Soloabende in Heidelberg, Hahnstätten und
Sankt Petersburg (2017 bereits zum fünften mal).

2013
führte er, zusammen mit dem „Flora Sinfonie Orchester Köln", beide Romanzen
von Ludwig van Beethoven auf.

Im
Wettbewerb „Jugend musiziert" gewann er insgesamt vier 1. Preise, darunter in
den Kategorien Klavier-Duo und Violine solo.

Von
2014 bis 2017 war Ludwig Balser Stipendiat der Domhofstiftung.

In
diesen Jahren war er, sowohl auf dem Klavier, als auch auf der Violine
Mitglied des Bundesjugendorchesters und wurde unter anderem als Stimmführer
und Konzertmeister eingesetzt. Zusammen mit dem Bundesjugendorchester fanden,
unter anderem zwei CD-Aufnahmen beim WDR und zwei Konzerte unter Leitung von
Sir Simon Rattle, im Rahmen der Osterfestspiele Baden Baden, statt.

Im
Oktober 2017 wirkte er bei dem Projekt „RCO meets Europe - side by side", mit
dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, unter der Leitung von Maestro
Danele Gatti, in der Berliner Philharmonie mit.

Seit
2017 ist er Mitglied der LGT Young Soloists und konzertierte bereits in
Konzertorten wie Musikverein Wien, Elbphilharmonie Hamburg, Tonhalle Zürich,
Tonhalle Maag Zürich, St. John´s Smith Square London, Philharmonie
Luxembourg, auf der MS Europa 2, Victoria Hall Singapur und der St. John´s
Cathedral Hong Kong.

Im
Sommer 2019 führte er mit ihnen die Sonate für Klavier und Violine op. 47 von
Ludwig van Beethoven („Kreutzer"), als Bearbeitung mit Streichorchester im
Rahmend es Rheingau Musik Festivals auf.

Als
Preisträger des 26. Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds spielt
Ludwig Balser eine Violine von Gand & Bernardel, Paris 1887, verliehen
von der Deutschen Stiftung Musikleben.

 

 

 

 

 

Das
Sinfonieorchester der Musikhochschule
Mannheim
hat sich national und international einen Namen gemacht.
Regelmäßig wird es zu Gastspielen außerhalb Mannheims eingeladen. Besondere
Höhepunkte waren dabei die gefeierten Auftritte in der New Yorker Carnegie
Hall und im Seoul Arts Center sowie die Zusammenarbeit mit den
Partneruniversitäten Yale University (USA) und Seoul National University
(Süd-Korea). Mehrere CD-Einspielungen sowie die Zusammenarbeit mit berühmten
Solisten wie Hanna-Elisabeth Müller, Hanno Müller-Brachmann, Michael Nagy und
Ragna Schirmer sind weitere Belege der herausragenden Qualität dieses
Ensembles.

 

Mitwirkende
des Orchesters sind ausschließlich Studierende der Staatlichen Hochschule für
Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Diese werden in hochselektiven
Aufnahmeprüfungen nach qualitativen Kriterien aus einer Vielzahl von
Bewerbern ausgewählt. Nur circa 10 % der Bewerber können einen Studienplatz
erhalten. Die Erfolge der Studierenden entsprechen den Erwartungen. Sie
gewinnen wichtigste internationale Wettbewerbe (z. B. den ARD-Wettbewerb) und
besetzen führende Stellen bei bedeutendsten Orchestern (z. B. Berliner
Philharmoniker, Münchner Philharmoniker, Gewandhaus-Orchester Leipzig,
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks), sie gastieren regelmäßig bei
großen Festivals.

 

In
intensiven Probenphasen entsteht aus diesen hervorragenden Individualisten
ein sensibel aufeinander reagierendes, eingespieltes Ensemble. Die im
Vergleich zu professionellen Musikern geringere Erfahrung der Studierenden
wird ausgeglichen durch die wesentlich größere Zahl der Proben, durch die
Zeit sich in Ruhe mit jedem interpretatorischen Detail zu beschäftigen. Das
Sinfonieorchester der Hochschule dient damit nicht nur der beruflichen
Vorbereitung der Studierenden, es erreicht Leistungen, die die Zuhörer
regelmäßig begeistern

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