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Mannheimer Schlagwerk

Rhythms, Pulses and Loops
mit der UA Parallel Motion von Stephan Thelen (Zürich)
Studierende der Schlagzeugklasse Prof. Dennis Kuhn
Einstudierung/Leitung: Prof. Dennis Kuhn
www.mannheimer-schlagwerk.de

Mittwoch, 25. April 2018
20:00
Uhr
Alte Feuerwache
Brückenstr. 2
68167 Mannheim
Eintritt frei

Programm

 

 

 

 

Owen Clayton Condon

*1978

FRACTALIA (2011)

for 2 marimbas and 8 drums

 

Ying-Chen Chuang / Junghyun Oh

Ling Lu / Jose Maria Palacios Muñoz

 

 

Anna Thorvaldsdottir

*1977

AURA (2015)

for 4 percussionists in a close circle

 

Ling Lu / Johanna Toivanen

Andreas Triefenbach / Hana Yoo

 

 

Jakub Ciupiński

*1981

ANIMACJA (2005)

for crotales, xylophone, marimba & vibraphone

 

Europäische Erstaufführung

 

Oğuz Akbaş / Luis Andrés Chavarría Báez

Junghyun Oh / Johanna Toivanen

 

 

Daniel Wohl

*1980

REPLICATE (2013)

for percussion quartet and electronics

 

Deutsche Erstaufführung

 

Oğuz Akbaş / Luis Andrés Chavarría Báez

Ying-Chen Chuang / Ti-Hsien Lai

 

 

Pierre Jodlowski

*1971

24 LOOPS (2006)

for percussion and sound track

 

Luis Andrés Chavarría Báez / Junghyun Oh Jose Maria Palacios Muñoz / Andreas Triefenbach

 

 

 

- Pause -

 

Stephan Thelen

*1959

PARALLEL MOTION (2018)

für 2 Vibraphone, 2 Marimbas und Perkussion

 

Uraufführung

 

Oğuz Akbaş / Ying-Chen Chuang /

Junghyun Oh / Jose Maria Palacios Muñoz /

Andreas Triefenbach / Hana Yoo

 

 

Joseph Pereira

*1974

MALLET QUARTET (2013)

for 2 vibraphones and 2 marimbas

 

Ying-Chen Chuang / Ling Lu

Johanna Toivanen / Hana Yoo

 

Leitung: Dennis Kuhn

 

 

Olivier Alary

*1975

PULSES (2015)

for 13 Thai-gongs, 2 vibraphones & 2 marimbas

 

Uraufführung

 

Oğuz Akbaş / Ti-Hsien Lai / Ling Lu

Jose Maria Palacios Muñoz / Johanna Toivanen Andreas Triefenbach / Hana Yoo

 

Leitung: Dennis Kuhn

 

 

Tim Brady

*1956

FAST (2015)

for 2 vibraphones and 2 marimbas

 

Europäische Erstaufführung aller 3 Sätze

 

Oğuz Akbaş / Luis Andrés Chavarría Báez

Ying-Chen Chuang / Ti-Hsien Lai

Ling Lu / Andreas Triefenbach

 

 

 

Fractalia ist ein klangliches Zelebrieren von Fraktalen, geometrischen Formen, deren Teile jeweils eine verkleinerte Kopie des Ganzen sind. Die kaleidoskopisch gebrochenen Melodien innerhalb von Fractalia entstehen, indem eine wiederholte Figur durch vier Spieler in verschiedenen Registern der Marimbas geführt wird. (Owen Clayton Condon)

 

 

Aura materialisiert sich aus der Stille nach dem Ende von Qui Tollis. Im Wesentlichen stützt sich Thorvaldsdottirs Arbeit auf natürliche Einflüsse, die oft ausgedehnte Klanglandschaften darstellen, die organisch durch die Konvergenz mehrerer unabhängiger Stimmen erzeugt werden. Diese aufschlussreiche und expansive kompositorische Herangehensweise zeigt sich in Aura durch ihre meisterhafte Dekonstruktion und Rekonstruktion instrumentaler Klänge und Klangfarben. Es ist leicht, sich einfach zu verlieren, wenn man den Feinheiten des Bürstens eines Trommelfells oder dem mit Bogen gestrichenen Vibraphons zuhört. Aura widersteht der Ziellosigkeit, da ein eindringliches Glockenmotiv den Hörer davon abhält, zu weit zu streunen.

 

 

Animacja ist ein kurzes Perkussionquartett, das ich 2005 in Birmingham geschrieben habe. Zu dieser Zeit interessierte mich besonders die Idee, das gleiche, einfache Objekt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Ich beschränkte die Verwendung von Kontrast als narratives Element und ersetzte das durch langsame Übergänge. Subjektiver Ausdruck wird reduziert, um eine rituelle, meditative Atmosphäre zu erzeugen. Jede Wiederholung verändert leicht die repetierte musikalische Struktur, die als musikalisches Äquivalent von sehr langsam umherwirbelnden physischen Objekten betrachtet werden kann. Die Technik, die ich verwendete, um dieses Ergebnis zu erzielen, ist ähnlich der, die in Animationsfilmen verwendet wird; Der Zwischenraum zwischen zwei "Keyframes" (Takten) ist ausgefüllt, um den Eindruck von fließenden Bewegungen zu erzeugen. Daraus entstand der Titel, den ich für dieses Stück gewählt habe - das polnische Wort "animacja" bedeutet Animation. (Jakub Ciupiński)

 

 

Replicate, ein dichter, zweisätziger Klangteppich für Percussion und einer ganzen Menge Elektronik. Gestimmte Perkussionsfiguren kreisen über einer Zweiton-Drone und erzeugen eine warme, ruhige Klangwelt, die im Verlauf des Stücks langsam an Dichte zunimmt.

Der erste Satz ist flüssig, wie Echos, die über einen Ozean aus Klang kreisen - der zweite Satz nimmt das Tempo an und verwandelt sich in einen chaotischen Windkanal aus klirrenden Maschinen, zerbrechendem Glas, zerplatzenden Nebelhörnern und oszillierender Elektronik." (www.secondinversion.org)

 

24 Loops ist Teil eines 2006 begonnenen kumulativen Musikzyklus mit einem Stück für Streichquartett, das ich in verschiedenen Projekten entwickelt habe. Das Prinzip des kumulativen Schreibens besteht darin, elektronische Ressourcen zum Stapeln von Sequenzen zu verwenden, die live gespielt werden.

In den Stücken, die ich nach diesem Prinzip geschrieben habe, ist die gesamte Aktion der Musiker durch ein Looping-System eingefroren. Die erzeugte Musik besteht aus den aufeinander folgenden Elementen.

In 24 Loops wird ein szenischer Prozess hinzugefügt, um eine Art Runde zu schaffen, in der jeder Musiker die Instrumente umkreist und den Klangraum "füllt".

Nach der 24. Zelle kann die Musik auf einem kontinuierlichen und freien Crescendo improvisiert werden. (Pierre Jodlowski)

 

 

 

 

Mallet Quartet, geschrieben für das Los Angeles Percussion Quartet, für zwei Vibraphone und zwei Marimbas, versucht, alle Klangelemente auf diesen Instrumenten einzubeziehen. Ich fand es immer faszinierend, Wege zu finden, um Klang zu manipulieren - wie Noten gespielt werden, und was noch wichtiger ist, nachdem sie gespielt wurden und wie sie auf unterschiedliche Weise klingen oder sprechen.. Jede Tonhöhe wird für sich genommen als eine Skala von vielen Klangpartikeln angesehen, die darauf warten, untersucht zu werden. Der Fokus liegt hauptsächlich auf den Resonanzen, den Anschlägen und den Obertönen. Der natürliche Klang des Instruments kann je nach Register und mittels speziellen Spieltechniken unterschiedlich ausgeführt und manipuliert werden. Zum Beispiel hat ein scharf angespielter sfz-Akkord zwei verschiedene Elemente seines Grundklangs. Erstens ist es der perkussive Anschlag ohne Tonhöhe, der auf Marimba im tiefen Register einen Klang hat, der einem Brett ähnelt, und im hohen Register einem Holzblock. Eine andere bemerkenswerte Spieltechnik ist die Verwendung von Handdämpfung, die je nach Druck die Tonhöhe vierteltönig verändert und mit noch stärkerem Druck in undefiniertes Geräusch umwandelt.

Die Idee, einen 3-dimensionalen Ansatz für Klänge zu verwenden, der einerseits auf Geräusche ohne Tonhöhe ausgerichtet ist und andererseits über die Grundtöne tiefer in die natürlichen Obertöne eintaucht, ergibt einen sich ständig verändernden Spannungsfokus. Das Schwenken zwischen dieser Achse der Klangwirkung resultiert in endlosem Spektrum. (Joseph Pereira)

 

 

 

 

Pulses

Während ich im Jahr 2013 an einer Filmmusik arbeitete, fand ich in einem Studio in Montreal eine riesige Auswahl an Schlaginstrumenten aus der ganzen Welt. Im Instrumentenlager entdeckte ich eine große Sammlung von Thai-Gongs. Diese Gongs sind ziemlich eigenartig; sie haben einen zentralen erhöhten Buckel, und sie bieten zwei verschiedene Töne an, je nachdem, ob sie auf dem Buckel oder daneben geschlagen werden. Außerdem sind sie dunkler im Ton mit weniger Glanz als andere Gongs. Da ihre Stimmung nie ganz genau, und ihr Klang reich an ungeraden Obertönen ist, hatte ich die Idee, ein Stück zu komponieren, in dem ich Gongs und gut gestimmte Marimbas und Vibraphone kombinieren würde, da diese Instrumente sehr gut miteinander verschmelzen würden. Die Idee für Pulses war, ein polyrhythmisches Palindrom (ein rhythmisches Palindrom ist eine Gruppierung von Notenwerten, die identisch von links nach rechts oder von rechts nach links gelesen werden können) zu verwenden, das während des ganzen Stücks transformiert wird. Die ersten Motive werden auf Gongs gespielt, um eine harmonische Unschärfe zu erzeugen, die später durch das Hinzufügen von Marimba und Vibraphon bis zum lyrischen Crescendo präziser und klarer wird. Eine etwas lyrischere Melodie lässt das Stück den Kanon verlassen und kollabiert dann quasi in sich selbst. Als ob der Kanon geholfen hätte, die Melodie im letzten Abschnitt zum Einsturz zu bringen. Die hier präsentierte Uraufführung wurde in diesem Winter für das Mannheimer Schlagwerk neu komponiert und instrumentiert. Ich nutzte die Gelegenheit, um eine Einleitung zu dem Stück hinzuzufügen, welche von Bögen gestrichenen Vibraphonen gespielt wird und um einige der Linien umzugestalten, damit es für 7 Spieler passt. (Olivier Alary)

 

 

FAST besteht aus drei verschiedenen Sätzen ohne Titel. Der 2. und 3. Satz wurde vom Mannheimer Schlagwerk schon 2016 aus der Taufe gehoben, das komplette dreisätzige Werk dann 2017 vom Auftraggebenden Schlagzeugensemble SIXTRUM in Montreal uraufgeführt.

Sehr schnelle Musik erfordert den Einsatz des "Muskelgedächtnis" als grundlegendes Mittel - Skalen, Tonwiederholungen und kleine, repetitive rhythmische Zellen: Dinge, die jeder Musiker Millionen Mal geübt hat. Aber wer will schon 15 Minuten lang nur Skalen hören? Ich nicht! Also musste ich als Komponist, einen Weg finden, eine Art "Hörillusion" zu erschaffen: Die Musik sollte klingen als würde sie sich vorwärts bewegen, ändern und weiterentwickeln - die Spieler jedoch müssen diese mit einfachen, physischen Schlagzeugfiguren fühlen und ausführen können.

Lassen Sie mich wissen, ob es funktioniert. (Tim Brady)

 

 

MANNHEIMER SCHLAGWERK

 

Es ging eigentlich nur um das Debüt eines interessanten Ensembles der Mannheimer Musikhochschule. Wer aber damals in den 90er Jahren in der Mannheimer Feuerwache mit dabei war und gespürt hatte, daraus könnte mehr werden, lag richtig: Es wurde aber nicht nur mehr, sondern sehr, sehr viel mehr daraus. Aus der ersten Mannheimer Schlagzeugnacht ging eine in ihrer Art singuläre Kultserie der Alten Feuerwache hervor, die regelmäßig Bewunderer perkussiver Drahtseilakte von weithin anzieht und das Mannheimer Schlagwerk unter der künstlerischen Leitung von Prof. Dennis Kuhn erwies sich seitdem darüber hinaus auf vielen Podien in Deutschland, europaweit und bis Südostasien als international renommiertes Spezialistenensemble. Als ein Team allerdings, das bei allem technischen Spezialkönnen den künstlerischen Horizont weit über klassische Perkussion hinaus steckt.

So preisen Kritiker und Kollegen, wenn sie vom Mannheimer Schlagwerk sprechen oder schreiben, neben der phänomenalen Qualität immer auch dessen abwechslungsreiche Programmgestaltung, die Offenheit für Genres und Spielpraktiken erkennen lässt, Offenheit für das Abenteuer auf unbekanntem Terrain bis hin zum Tanztheater und sogar zum synästhetischen Experiment.

Diese bewundernswerte Bandbreite, war, ist und bleibt eine Spezialität der jungen Musiker um Dennis Kuhn. So hatte beispielsweise der Ballettdirektor und Chefchoreograph Philippe Talard das Mannheimer Schlagwerk für mehrere Spielzeiten ans Nationaltheater Mannheim (NTM) geholt. Mit dem "Seiltänzer" im Mannheimer Opernhaus, vom Ensemble live gespielt, entstand eine der aufsehenerregendsten Tanzproduktionen der Ära Talard am NTM.

Zu den Highlights der Ensemblegeschichte gehören auch Gastspiele wie etwa bei „Connecting Beats Malaysia Vol. 1" in Kuala Lumpur (2017), beim 8. Int. Percussionfestival in Krakau (2012) oder bei „Moritz50!" in Hamburg (2015), das Festival zum 50ten Geburtstag des Komponisten Moritz Eggert. Außerdem wurden und werden von verschiedenen Komponisten Werke extra für das Ensemble geschrieben.

Die Diskographie der Gruppe enthält Einspielungen mit der EuropaChor-Akademie unter der Leitung von Sylvain Cambreling und Joshard Daus mit Musik von Strawinsky, Dallapiccola u.a. Die erste Portrait-CD des Mannheimer Schlagwerks square & round ist 2012 beim Label Monalvo erschienen.