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Sinfoniekonzert "Kontraste"

Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 53 D-Dur „L‘ Impériale“
Witold Lutoslawski: Jeux vénitiens
Gustav Mahler: Sinfonie Nr.1 D-Dur „Titan“
Sinfonieorchester der Hochschule
Leitung: Prof. Stefan Blunier
Im Rahmen der Kurpfalzkonzerte Neustadt
Veranstalter: Kulturabteilung der Stadt Neustadt an der Weinstraße

Mittwoch, 18. Oktober 2017
18:00
Uhr
Saalbau
Bahnhofstr. 1
67434 Neustadt/Weinstraße
Eintritt 7,-/erm.4,-
Tel: 06321-855404

 

 

 

 

 

Programm

 

 

 

 

Joseph Haydn

1732-1809

 

Sinfonie Nr. 53 D-Dur Hob I:53

„L'Impérial"

- Largo maestoso - Vivace

- Andante

- Menuetto

- Finale. Capriccio

 

 

 

Witold
Lutosławski

1913-1994

 

 

 

Jeux vénitiens

I

II
III
IV

 

 

 

- Pause -

 

 

Gustav Mahler

1860-1911

 

Sinfonie Nr. 1 D-Dur

„Titan"

-
Langsam. Schleppend. (Wie ein Naturlaut)

-
Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell
- Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen
- Stürmisch bewegt

 

 

 

 

Der
1964 in Bern geborene Dirigent Stefan
Blunier
studierte in seiner Heimatstadt und an der Folkwang Universität der Künste Essen Klavier, Horn, Komposition
und Dirigieren. Sein dirigentischer Werdegang kann als klassischer Weg durch
die Opernhäuser bezeichnet werden. Nach Stationen in Mainz, Augsburg und Mannheim, war er 2001-2008 Generalmusikdirektor am Staatstheater Darmstadt. Am 1. August
2008 übernahm Blunier die Position des Generalmusikdirektors
der Beethovenstadt Bonn und wurde somit gleichzeitig Chefdirigent des Beethoven
Orchesters
Bonn und der Oper Bonn.
2011 wurde sein Vertrag in Bonn bis zum Ende der Spielzeit
2015/2016 verlängert. Mit Beginn der Saison 2010/2011 ist Stefan Blunier für
3 Jahre zum „Premier Chef Invité"
des Orchestre National de Belgique in Bruxelles ernannt worden

Als Preisträger bei den internationalen Dirigierwettbewerben
in Besançon und Malko in Kopenhagen begann Stefan
Blunier früh mit einer regen Konzerttätigkeit. Unterdessen gastierte er bei
über 100
Sinfonieorchestern
in Europa
und Asien. Dirigate übernahm er an
den Opernhäusern in London, München,
Frankfurt, Hamburg, Leipzig, Stuttgart und Berlin
(KO und DO) sowie in Montpellier, Oslo, Zürich, Genf und Bern.

Seine
Konzertprogrammgestaltungen haben das Publikum in den vergangenen Spielzeiten
begeistert. Der Erfolg des Dirigenten mit dem Beethoven Orchester Bonn hat
überregionales Interesse an der Musik aus Bonn geweckt. Stefan Blunier
produzierte 35 CDs für SONY, CPO, CRYSTAL, HYPERION und MDG.
Seine CD-Einspielungen (Schönberg, Franz Schmidt, d'Albert, Bruckner, Liszt
u. a.) offenbaren musikalische Raritäten und werden von der Fachpresse in
höchsten Tönen gelobt. Für die CD-Einspielungen der Opern "Der
Golem" von Eugen d´Albert und „Irrelohe" von Franz Schreker wurde er
gemeinsam mit dem Beethoven Orchester Bonn 2011 und 2012 jeweils
mit dem ECHO Klassik-Preis
ausgezeichnet.

Über
die Jahreswende 2011/2012 reiste GMD Blunier mit dem Beethoven Orchester Bonn
nach China, und gab u. a. in den
Metropolen Hong Kong, Shanghai und Peking umjubelte Konzerte. 2013 reiste das
BOB auf seiner USA-Tournee an die
Ostküste und nach Florida. Der große Erfolg der 12 Konzerte veranlasste die
Agentur Columbia Artists zu einer Wiedereinladung im Frühjahr 2016.

Zu
den künftigen Aufgaben gehören die Dirigate an der Oper Frankfurt, der Deutschen
Oper Berlin,
dem Grand Théâtre de
Genève,
dem Bolschoi Theater Moskau und der Opera North Leeds.       Konzerte sind u.a. geplant mit dem Orchestre National de Belgique, dem NHK Tokyo, dem Orquestra Sinfónica do Porto,
dem Orquestra Sao Paulo, dem South Netherlands Philharmonic, dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester,
dem Orchester des
Nationaltheaters Mannheim,
und dem Orchester des Staatstheaters Hannover.

Zum Herbstsemester
2017/18 wird Stefan Blunier als Nachfolger von Prof. Klaus Arp die Professur
für Orchesterleitung Sinfonik an der Staatlichen Hochschule für Musik und
Darstellende Kunst Mannheim antreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Sinfonieorchester
der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim
hat
sich national und international einen Namen gemacht. Regelmäßig wird es zu
Gastspielen außerhalb Mannheims eingeladen. Besondere Höhepunkte waren dabei
die gefeierten Auftritte in der New Yorker Carnegie Hall und im Seoul Arts
Center sowie die Zusammenarbeit mit den Partneruniversitäten Yale University
(USA) und Seoul National University (Süd-Korea). Mehrere CD-Einspielungen
sowie die Zusammenarbeit mit berühmten Solisten wie Hanna-Elisabeth Müller,
Hanno Müller-Brachmann, Michael Nagy und Ragna Schirmer sind weitere Belege
der herausragenden Qualität dieses Ensembles.

 

Mitwirkende des Orchesters sind
ausschließlich Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik und
Darstellende Kunst Mannheim. Diese werden in hochselektiven Aufnahmeprüfungen
nach qualitativen Kriterien aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt. Nur
circa 10 % der Bewerber können einen Studienplatz erhalten. Die Erfolge der
Studierenden entsprechen den Erwartungen. Sie gewinnen wichtigste
internationale Wettbewerbe (z. B. den ARD-Wettbewerb) und besetzen führende
Stellen bei bedeutendsten Orchestern (z. B. Berliner Philharmoniker, Münchner
Philharmoniker, Gewandhaus-Orchester Leipzig, Symphonieorchester des
Bayerischen Rundfunks), sie gastieren regelmäßig bei großen Festivals.

 

In intensiven Probenphasen entsteht aus
diesen hervorragenden Individualisten ein sensibel aufeinander reagierendes,
eingespieltes Ensemble. Die im Vergleich zu professionellen Musikern
geringere Erfahrung der Studierenden wird ausgeglichen durch die wesentlich
größere Zahl der Proben, durch die Zeit sich in Ruhe mit jedem
interpretatorischen Detail zu beschäftigen. Das Sinfonieorchester der
Hochschule dient damit nicht nur der beruflichen Vorbereitung der
Studierenden, es erreicht Leistungen, die die Zuhörer regelmäßig begeistern.

 

 

Im Zentrum des
heutigen Programmes steht Mahlers symphonisches Erstlingswerk, die Sinfonie
Nr. 1 in D- Dur mit dem vom Komponisten ursprünglich vorgesehenen Beinamen
„Titan". Sie entstand in der Zeit von Januar bis März 1888 in Leipzig,
Vorarbeiten reichen jedoch bis in das Jahr 1884 zurück. Mahler war sich
zunächst unschlüssig, ob er das Werk als Sinfonische Dichtung oder als
Sinfonie konzipieren sollte. Die vorgesehene Großgliederung der Sätze in zwei
Teile fiel im Lauf der Zeit ebenso weg wie ein ursprünglich an zweiter Stelle
stehender zusätzlicher Satz mit dem poetischen Beinamen „Blumine", den wir
auch bei unserem Konzert in Heidelberg am 12. Oktober 2017 interpretieren
werden. Bei den ersten Aufführungen versuchte Mahler, dem Publikum den Zugang
zu der Sinfonie durch Werk- und
Satztitel zu erleichtern, zog diese jedoch später zurück „weil ich es erlebt
habe, auf welch falsche Wege hiedurch
das Publikum geriet". Zweifelsohne ein Meisterwurf, zeigen sich in dem frühen
Werk alle Parameter seines späteren kompositorischen Schaffens, subtilste Orchestrierung
wie der Anfang des Satzes mit den Naturlauten, ein wild herausfahrendes wie
auch derbes Scherzo, ein depressiv verklärt langsamer Satz mit
volksmusikentlehnten Weisen, quasi ein Vorgriff zu Charles Ives und ein
großangelegter in Pathos und Übersteigerung endender Finalsatz.

Diesen dichten
und ernsten kompositorischen Ansatz möchte ich mit einem Werk von Witold
Lutoslawski kontrastieren. „Jeux vénetiens" entstand 1961 als Auftragswerk der
Krakauer Philharmoniker, erstaufgeführt in Venedig, daher wohl die Namensgebung.
Als „Spiel" deklariert, erscheint es als ein Werk grenzenloser Freiheit, weil
die Musiker autark auf die Zeichengebung des Dirigenten reagieren müssen. Vorgegebene kompositorische Module, werden
von jedem Spieler eigenständig umgesetzt, vieles ist dem spontanen, vor allem
rhythmischen Zufall untergeordnet, so dass bei jeder Aufführung ein leicht
verändertes Klangergebnis zustande kommen wird. Diesen Kompositionsstil nennt
man Aleatorik, ein Begriff, der sich vom lateinischen Wort „aleatorius" ableitet
und soviel bedeutet wie „zum Spieler gehörig" (alea: „Würfel, Risiko, Zufall"). Ein Werk der klassischen Moderne, mit zauberhaften Klangerlebnissen, trotz des überschaubaren
Orchesters mit großen dynamischen Kontrasten versehen, verbunden mit einer
spielerisch anmutenden Leichtigkeit, die aber enorm viel Selbstdisziplin erfordert.

Der geniale
Experimentator Joseph Haydn darf natürlich in so einem Programm nicht fehlen.
Von dem Meister der unerwarteten
Wendungen, spielerischen Frechheiten, abrupten Wechseln der Dynamik und der Tempi, spielen wir aus der
mittleren Schaffensperiode
die 53. Sinfonie in D- Dur. Der
Beiname „L´Impériale" (Die Kaiserliche) kommt in keiner der
älteren Quellen vor und stammt
wohl nicht von Haydn. Er komponierte sie um
1778/79 während seiner Anstellung als Kapellmeister beim Fürsten Esterházy
und fand als erste Sinfonie Haydns internationale Verbreitung. Bei der im 18.
Jahrhundert von Johann Christian Bach und Carl
Friedrich Abel in London veranstalteten Konzertreihe hatte
das Werk so großen Erfolg,
„dass bald die gebildeten Damen
im Königreich das Stück im Klavierarrangement spielten."

Ein 4-sätziges Werk mit viel Spielfreude und einem hörbaren kecken Wohlfühlfaktor rundet das Programm ab.

 

Stefan Blunier