Forum Neue Musik, Hochschulkonzerte, Musik in der Region, Orchester, Oper, Chor, Ballett

Werkstattkonzert "Kontraste"

Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 53 D-Dur „L‘ Impériale“
Witold Lutoslawski: Jeux vénitiens
Gustav Mahler: Sinfonie Nr.1 D-Dur „Titan“
Sinfonieorchester der Musikhochschule Mannheim
Leitung: Prof. Stefan Blunier und Dirigierstudierende
Im Rahmen der Orchesterarbeitsphase der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim

Donnerstag, 5. Oktober 2017
19:00
Uhr
Landesakademie Ochsenhausen
Bräuhaussaal
Schlossbezirk 7
88416 Ochsenhausen
Eintritt frei

Programm

 

 

 

 

Joseph Haydn

1732-1809

Sinfonie Nr. 53 D-Dur Hob I:53

„L'Impérial"

- Largo maestoso - Vivace

- Andante

- Menuetto

- Finale. Capriccio

 

 

Witold
Lutosławski

1913-1994

 

 

Jeux vénitiens

I

II
III
IV

 

 

 

- Pause -

 

 

Gustav Mahler

1860-1911

Sinfonie Nr. 1 D-Dur

„Titan"

-
Langsam. Schleppend. (Wie ein Naturlaut)

-
Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell
- Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen
- Stürmisch bewegt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Sinfonieorchester
der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim
hat
sich national und international einen Namen gemacht. Regelmäßig wird es zu
Gastspielen außerhalb Mannheims eingeladen. Besondere Höhepunkte waren dabei
die gefeierten Auftritte in der New Yorker Carnegie Hall und im Seoul Arts
Center sowie die Zusammenarbeit mit den Partneruniversitäten Yale University
(USA) und Seoul National University (Süd-Korea). Mehrere CD-Einspielungen
sowie die Zusammenarbeit mit berühmten Solisten wie Hanna-Elisabeth Müller,
Hanno Müller-Brachmann, Michael Nagy und Ragna Schirmer sind weitere Belege
der herausragenden Qualität dieses Ensembles.

 

Mitwirkende des Orchesters sind
ausschließlich Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik und
Darstellende Kunst Mannheim. Diese werden in hochselektiven Aufnahmeprüfungen
nach qualitativen Kriterien aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt. Nur
circa 10 % der Bewerber können einen Studienplatz erhalten. Die Erfolge der
Studierenden entsprechen den Erwartungen. Sie gewinnen wichtigste
internationale Wettbewerbe (z. B. den ARD-Wettbewerb) und besetzen führende
Stellen bei bedeutendsten Orchestern (z. B. Berliner Philharmoniker, Münchner
Philharmoniker, Gewandhaus-Orchester Leipzig, Symphonieorchester des Bayerischen
Rundfunks), sie gastieren regelmäßig bei großen Festivals.

 

In intensiven Probenphasen entsteht aus
diesen hervorragenden Individualisten ein sensibel aufeinander reagierendes,
eingespieltes Ensemble. Die im Vergleich zu professionellen Musikern geringere
Erfahrung der Studierenden wird ausgeglichen durch die wesentlich größere
Zahl der Proben, durch die Zeit sich in Ruhe mit jedem interpretatorischen
Detail zu beschäftigen. Das Sinfonieorchester der Hochschule dient damit
nicht nur der beruflichen Vorbereitung der Studierenden, es erreicht
Leistungen, die die Zuhörer regelmäßig begeistern.

 

 

 

 

 

Der 1964 in Bern geborene Dirigent Stefan Blunier studierte in seiner
Heimatstadt und an der Folkwang Universität der Künste Essen Klavier, Horn,
Komposition und Dirigieren. Sein dirigentischer Werdegang kann als
klassischer Weg durch die Opernhäuser bezeichnet werden. Nach Stationen in Mainz,
Augsburg und Mannheim, war er 2001-2008 Generalmusikdirektor am Staatstheater
Darmstadt. Am 1. August 2008 übernahm Blunier die Position des Generalmusikdirektors
der Beethovenstadt Bonn und wurde somit gleichzeitig Chefdirigent
des Beethoven Orchesters Bonn und der Oper Bonn. 2011 wurde sein
Vertrag in Bonn bis zum Ende der Spielzeit 2015/2016 verlängert. Mit Beginn
der Saison 2010/2011 ist Stefan Blunier für 3 Jahre zum „Premier Chef Invité"
des Orchestre National de Belgique in Bruxelles ernannt worde

Als Preisträger
bei den internationalen Dirigierwettbewerben in Besançon und Malko in
Kopenhagen begann Stefan Blunier früh mit einer regen Konzerttätigkeit.
Unterdessen gastierte er bei über 100 Sinfonieorchestern in Europa und Asien.
Dirigate übernahm er an den Opernhäusern in London, München, Frankfurt,
Hamburg, Leipzig, Stuttgart und Berlin (KO und DO) sowie in Montpellier,
Oslo, Zürich, Genf und Bern.

Seine Konzertprogrammgestaltungen haben
das Publikum in den vergangenen Spielzeiten begeistert. Der Erfolg des
Dirigenten mit dem Beethoven Orchester Bonn hat überregionales Interesse an
der Musik aus Bonn geweckt. Stefan Blunier produzierte 35 CDs für SONY, CPO, CRYSTAL,
HYPERION und MDG. Seine CD-Einspielungen (Schönberg, Franz Schmidt, d'Albert,
Bruckner, Liszt u. a.) offenbaren musikalische Raritäten und werden von der
Fachpresse in höchsten Tönen gelobt. Für die CD-Einspielungen der Opern
"Der Golem" von Eugen d´Albert und „Irrelohe" von Franz Schreker
wurde er gemeinsam mit dem Beethoven Orchester Bonn 2011 und 2012 jeweils mit
dem ECHO Klassik-Preis ausgezeichnet.

Über die Jahreswende 2011/2012 reiste GMD
Blunier mit dem Beethoven Orchester Bonn nach China, und gab u. a. in den
Metropolen Hong Kong, Shanghai und Peking umjubelte Konzerte. 2013 reiste das
BOB auf seiner USA-Tournee an die Ostküste und nach Florida. Der große Erfolg
der 12 Konzerte veranlasste die Agentur Columbia Artists zu einer
Wiedereinladung im Frühjahr 2016.

Zu den künftigen Aufgaben gehören die
Dirigate an der Oper Frankfurt, der Deutschen Oper Berlin, dem Grand Théâtre
de Genève, dem Bolschoi Theater Moskau und der Opera North Leeds. Konzerte sind u.a. geplant mit dem Orchestre
National de Belgique, dem NHK Tokyo, dem Orquestra Sinfónica do Porto, dem Orquestra
Sao Paulo, dem South Netherlands Philharmonic, dem Frankfurter Opern- und
Museumsorchester, dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim, und dem
Orchester des Staatstheaters Hannover.

Zum Herbstsemester 2017/18 wird Stefan
Blunier als Nachfolger von Prof. Klaus Arp die Professur für Orchesterleitung
Sinfonik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
Mannheim antreten.

 

 

 

 

Im Zentrum des heutigen
Programmes steht Mahlers symphonisches Erstlingswerk, die Sinfonie Nr. 1 in
D- Dur mit dem vom Komponisten ursprünglich vorgesehenen Beinamen „Titan".
Sie entstand in der Zeit von Januar bis März 1888 in Leipzig, Vorarbeiten
reichen jedoch bis in das Jahr 1884 zurück. Mahler war sich zunächst
unschlüssig, ob er das Werk als Sinfonische Dichtung oder als Sinfonie konzipieren
sollte. Die vorgesehene Großgliederung der Sätze in zwei Teile fiel im Lauf der
Zeit ebenso weg wie ein ursprünglich an zweiter Stelle stehender zusätzlicher
Satz mit dem poetischen Beinamen „Blumine", den wir auch bei unserem Konzert
in Heidelberg am 12. Oktober 2017 interpretieren werden. Bei den ersten
Aufführungen versuchte Mahler, dem Publikum den Zugang zu der Sinfonie durch Werk- und Satztitel zu erleichtern, zog
diese jedoch später zurück „weil ich es erlebt habe, auf welch falsche Wege hiedurch das Publikum geriet".
Zweifelsohne ein Meisterwurf, zeigen sich in dem frühen Werk alle Parameter
seines späteren kompositorischen Schaffens, subtilste Orchestrierung wie der
Anfang des Satzes mit den Naturlauten, ein wild herausfahrendes wie auch
derbes Scherzo, ein depressiv verklärt langsamer Satz mit
volksmusikentlehnten Weisen, quasi ein Vorgriff zu Charles Ives und ein
großangelegter in Pathos und Übersteigerung endender Finalsatz.

Diesen
dichten und ernsten kompositorischen Ansatz möchte ich mit einem Werk von
Witold Lutoslawski kontrastieren. „Jeux vénetiens" entstand 1961 als
Auftragswerk der Krakauer Philharmoniker, erstaufgeführt in Venedig, daher
wohl die Namensgebung. Als „Spiel" deklariert, erscheint es als ein Werk
grenzenloser Freiheit, weil die Musiker autark auf die Zeichengebung des
Dirigenten reagieren müssen. Vorgegebene
kompositorische Module, werden von jedem Spieler eigenständig umgesetzt,
vieles ist dem spontanen, vor allem rhythmischen Zufall untergeordnet, so
dass bei jeder Aufführung ein leicht verändertes Klangergebnis zustande
kommen wird. Diesen Kompositionsstil nennt man Aleatorik, ein Begriff, der
sich vom lateinischen Wort „aleatorius" ableitet und soviel bedeutet
wie „zum Spieler gehörig" (alea:
„Würfel, Risiko, Zufall"). Ein Werk der
klassischen Moderne, mit zauberhaften
Klangerlebnissen, trotz des überschaubaren Orchesters mit großen dynamischen
Kontrasten versehen, verbunden mit einer spielerisch anmutenden Leichtigkeit,
die aber enorm viel Selbstdisziplin erfordert.

Der geniale Experimentator
Joseph Haydn darf natürlich in so einem Programm nicht fehlen. Von dem Meister der unerwarteten
Wendungen, spielerischen Frechheiten, abrupten Wechseln der Dynamik und der Tempi, spielen wir aus der
mittleren Schaffensperiode
die 53. Sinfonie in D- Dur. Der
Beiname „L´Impériale" (Die Kaiserliche) kommt in keiner der
älteren Quellen vor und stammt
wohl nicht von Haydn. Er komponierte sie um
1778/79 während seiner Anstellung als Kapellmeister beim Fürsten Esterházy
und fand als erste Sinfonie Haydns internationale Verbreitung. Bei der im 18.
Jahrhundert von Johann Christian Bach und Carl
Friedrich Abel in London veranstalteten Konzertreihe hatte
das Werk so großen Erfolg,
„dass bald die gebildeten Damen
im Königreich das Stück im Klavierarrangement spielten."

Ein 4-sätziges Werk mit viel Spielfreude und einem hörbaren kecken Wohlfühlfaktor rundet das Programm ab.

Stefan
Blunier