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Großes Solidaritätskonzert - Gesellschaft für Neue Musik und Musikhochschule Mannheim

50. Konzertjahr
Großes Solidaritätskonzert zur Erhaltung der klassischen Ausbildung an der Musikhochschule Mannheim
Franz Mazura, Sprechgesang a.G.
Kolja Lessing, Violine a.G.
Studierende der Musikhochschule
Mannheimer Blech
Sinfonieorchester der Musikhochschule
Ensemble Incontro
Leitung: Klaus Arp

Samstag, 26. Oktober 2013
18:00
Uhr
Rosengarten
Musensaal
Rosengartenplatz 2
68161 Mannheim
Eintritt frei

 

Programm


 

Hans Vogt        

1911 - 1992 

Sinfonie in einem Satz (1986)

„Dona nobis pacem"


 

Sidney Corbett

* 1960           

Yaël (2005)

für Violine und Orchester 

- Breath (Der Atem)

- Dark (Die Dunkelheit)

- Shira Yaël (Yaëls Lied

- Archipelago (Archipel)


Solist: Kolja Lessing a.G., Violine (dem das Stück auch gewidmet ist)

Sinfonieorchester der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

Mannheim

Leitung: Klaus Arp


 

 

- Erste Pause -


 

Ulrich Leyendecker

* 1946

Dreizehn Bagatellen für Klavier (1989)

 

  • 1. Transparente e leggiero
  • 2. Volante presto
  • 3. Piangnucoloso
  • 4. Presto feroce
  • 5. Timido
  • 6. Semplice
  • 7. 7. Con una certa pazzia, ma ritmico
  • 8. Calmo ma anche nervoso
  • 9. Furibundo
  • 10. Impaziente
  • 11. Irrequito
  • 12. Cantabile e sonoro
  • 13. In fretta                                  

                                             

Jan Gerdes a.G., Klavier      


 

Peter Michael Braun

* 1936

„Blue II" aus „Miro" (1976/2005)

 für Flöte und Klavier


So Hee Oh, Flöte (Klasse Joachim Schmitz)

Atsuko Kinoshita, Klavier (Klasse Ok-Hi-Lee / Prof. Rudolf Meister)

 


Hans Rudolf Johner

1934 - 2005

Trio für Klarinetten


 

Zhaoyuan Wang, Eszter Hernadi und Laura Kettenring, Klarinetten

(Klasse Prof. Wolfhard Pencz)

 


Wolfgang Ludewig

* 1926

Reflexionen (1975)

Fünf Psychogramme für Flöte (Altflöte), Violoncello und Klavier

 


Anna Buck, Flöten (Klasse Prof. Jean-Michel Tanguy)

Domenico Milone, Violoncello (Klasse Prof. Michael Flaksman)

In-Young Park, Klavier (Klasse Scott Faigen)

 


Hermann Schäfer

1927 - 2009

Fünf Burlesken für drei Trompeten

und vier Posaunen  (1981)

- Moderato

- Allegretto

- Larghetto

- Vivace

- Allegro ma non troppo

        


Mannheimer Blech

Tobias Bockstahler, Mark Caspari, Stefan Ziegler, Trompeten

Takeshi Ishiyama, Taejun Kim, Eunjin Park, Karoline Vogt, Posaunen)

Leitung: Ehrhard Wetz


Arnold Schönberg

1874 - 1951

Pierrot Lunaire (1913)

Drei Mal sieben Gedichte von Albert Giraud op. 21     


Teil 1

- Mondestrunken

- Colombine

- Der Dandy

- Eine blasse Wäscherin

- Valse de Chopin

- Madonna

- Der kranke Mond

 


Teil 2

- Nacht

- Gebet an Pierrot

- Raub

- Rote Messe

- Galgenlied

- Enthauptung

- Die Kreuze

 


Teil 3

- Heimweh

- Gemeinheit

- Parodie

- Der Mondfleck

- Serenade

- Heimfahrt

- O alter Duft

 


Franz Mazura a.G., Sprechgesang


Ensemble Incontro

Livia Hermann, Violine

Rodolfo Andres Mijares Cótiz, Viola

Domenico Milone, Violoncello

Anna Buck, Flöte

Hoyong Sohn, Klarinette

Laura Kettenring, Bassklarinette

Fred Rensch, Klavier

Leitung: Andrey Litvinenko

(Klasse Prof. Klaus Arp)

 


 

- Zweite Pause -


Igor Strawinsky

1882 - 1971

Le Sacre Du Printemps (1913)

             

Teil I       Die Anbetung der Erde  

- Introduktion

- Die Vorboten des Frühlings

  (Tanz der Jünglinge)

- Entführungsspiel

- Frühlingsreigen

- Kampfspiel rivalisierender Stämme

- Auftritt des Weisen

- Anbetung der Erde (Der Weise)

- Tanz der Erde

 


Teil II    Das Opfer

- Introduktion

- Mystischer Reigen der Mädchen

- Verherrlichung der Auserwählten

- Anrufung der Ahnen

- Rituelle Handlung der Ahnen

- Opfertanz der Auserwählten

 


Sinfonieorchester der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

Mannheim

Leitung: Klaus Arp     


Programmnotizen

 


Dieses Konzert war ursprünglich als ein Zeichen der besonderen Verbundenheit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim mit der Gesellschaft für Neue Musik e.V. Mannheim zu deren 50jährigem Bestehen im Herbst 2013 geplant. Die Ereignisse um das Sparkonzept des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg für die Musikhochschulen des Landes lassen es nun zu einer Bekundung der Solidarität werden, die sich in der Mannheimer Kulturszene sowie in der Bevölkerung der Stadt und in der Metropolregion Rhein Neckar mit „ihrer" Musikhochschule während der letzten Wochen und Monate entwickelt hat.

 

Das Programm des Konzerts ist voller Bezüge zu den Aktivitäten der Gesellschaft für Neue Musik während der letzten 50 Jahre und zu ihren engen Verflechtungen mit der Mannheimer Musikhochschule. Die Aufführung von Strawinskys „Le Sacre du Printemps" soll daran erinnern, dass das Stück vor 100 Jahren in Paris mit einem riesigen Publikumsskandal uraufgeführt werden und auch eines der Marksteine ist, derentwegen man heute von 100 Jahren Neuer Musik spricht. Darüber hinaus erinnert die Aufführung des Sacre an die Erstaufführung des Werks vor 50 Jahren in Mannheim in einem der ersten Konzerte, das die 1963 gegründete Gesellschaft für Neue Musik in Mannheim veranstaltet hat.

 

Für den „Pierrot lunaire" von Schönberg gilt Ähnliches; auch dieses Werk hat in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag begangen.

 

Die übrigen Programmpunkte des Abends gelten Werken von Komponisten, die während der letzten 50 Jahre als Professoren für Komposition an der Mannheimer Musikhochschule tätig gewesen sind oder noch sind. Einige von ihnen gehörten  oder gehören dem Vorstand der Gesellschaft für Neue Musik an. Hans Vogt hat die Gesellschaft 1963 gegründet und war bis 1986 ihr erster Vorsitzender. Sidney Corbett gehört ihrem Vorstand seit einigen Wochen an und wird in den nächsten Jahren maßgeblich die Programme der Reihe Neue Musik bestimmen. Ulrich Leyendecker und Hans-Rudolf Johner waren lange im Vorstand der Gesellschaft tätig; der heute in Stuttgart lebende Komponist Wolfgang Ludewig hat 1963 als Gründungsmitglied die Gesellschaft mit aus der Taufe gehoben.

 

 


Hans Vogt: Sinfonie in einem Satz „Dona nobis pacem"

Das Leben des Komponisten Hans Vogt verlief in zwei höchst unterschiedlichen Phasen. Nach dem Studium an der Preußischen Akademie der Künste (Komposition bei Georg Schumann) schlug er zunächst die Kapellmeisterlaufbahn ein. Sie führte ihn über Bielefeld und Detmold an das Stadttheater Stralsund, wo er von 1938 bis zu seiner Einberufung in den Kriegsdienst im Jahr 1944 Chefdirigent für Oper und Konzert war. Nach Ende der russischen Kriegsgefangenschaft im Jahr 1949 kehrte Vogt bewusst nicht in diesen Beruf zurück. Er betätigte sich zunächst als frei schaffender Komponist, bis er 1951 von Richard Laugs an die damals städtische Musikhochschule Mannheim berufen wurde. Hier und an der 1971 verstaatlichten Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wirkte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1978 als Lehrer für Komposition, Tonsatz und theoretische Fächer. Regelmäßige Vortragsverpflichtungen führten ihn vor allem an britische und irische Hochschulen, und auch an die Universität Heidelberg. 1963 gründete Hans Vogt die Gesellschaft für Neue Musik e.V. Mannheim. Als Komponist wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf und mit dem Prix Reine Elisabeth (Brüssel) sowie mit einem Aufenthalt an der Villa massimo in Rom.

 

Auch für das kompositorische Schaffen Hans Vogts bildete die Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft eine entscheidende Zäsur. Zahlreiche Werke aus der Zeit bis 1949 verwarf er; zum großen Teil hat er sie sogar vernichtet. Aus den Kompositionen seit 1950 ragen zwei Opern, zahlreiche Werke für Orchester, weltliche und geistliche Chorwerke sowie eine umfangreiches Œuvre an Kammermusik hervor. Auffallend ist, dass Vogt es sich zur Regel gemacht hatte, jede Gattung grundsätzlich nur einmal zu bedienen. So finden sich in seinem Werkverzeichnis nur eine Sinfonie, jeweils nur ein Konzert für Klavier, für Violine, für Viola sowie für Violoncello und Orchester. Ähnliches gilt bis auf eine Ausnahme - das Streichquartett, deren er vier komponierte - für seine zahlreichen kammermusikalischen Kompositionen.

 

Zum musikalischen Credo Hans Vogts, das in seinen vielen literarischen Veröffentlichungen, u.a. in dem Buch Neue Musik seit 1945, Reclam 1978, nachzulesen ist, gehören die Sätze: Kunst will sich mitteilen. Sie braucht jemanden, der sie aufnimmt. In aller Kunst geht es allein und ausschließlich um das Werk, nicht um die Person dessen, der es geschaffen hat. Das Werk muss sich vom Autor lösen, muss allein existie­ren können, oder es hat keinen Wert.  Wer nicht fähig ist, sein Schaffen zu objektivieren, von der Person abzulösen, wer gar meint, Kunst sei nur ein Mittel individueller Selbstdarstellung, der wird niemals ins Zentrum der Sache gelangen.

 

Zu seiner Sinfonie in einem Satz, die 1986 entstand, schrieb Hans Vogt die folgenden Hinweise: Die Gattung „Sinfonie" ist traditionsbelastet; das hatte schon Johannes Brahms gefühlt. Und bis heute hat sich das Gewicht dieses künstlerischen Erbes weiter vermehrt. Wenn trotzdem Gegenwartskompositionen immer wieder das sinfonische Risiko eingehen, so scheint von dieser Aufgabe eine spezielle Faszination auszugehen. Auch ich bin ihr erlegen, als ich mich zur Komposition dieser Sinfonie entschloss - sie ist meine „Erste" und wird wohl die einzige bleiben. Freilich erkenne ich für mich einen Ansatzpunkt weder in der Nachfolge Karl Amadeus Hartmanns noch Igor Strawinskys. Die beiden bedeutenden Sinfoniker unseres Jahrhunderts vertreten antipodische Positionen: Hartmann als Fortsetzer Mahlers, Strawinsky als Weiterdenker Haydns. Ich unternehme den Versuch, die für eine Sinfonie charakteristische und unabdingbare Intensität der Textur durch Konzentration auf ein  Werk zu gewinnen, das nur eine gute Viertelstunde dauert. - Man wird in dieser einsätzigen Sinfonie drei Abschnitte erkennen: einen ersten, dramatischen mit bipolarer Thematik, danach einen langsamen, in welcher sich aus anfänglicher Improvisation (Solocello) fortschreitende Verdichtung entwickelt, und schließlich als „Finale" ein Ostinato . Es baut sich auf einem Kurzmotiv von 5 Tönen auf, die sich rhythmisch über 3+4+4 Achtel verteilen. Zweimal läuft ein langes Diminuendo ab, an welches Forte-Tutti hart angeschnitten werden. In der Mitte des Ostinato, an einem Ruhepunkt steht das Beethoven-Zitat „dona nobis pacem" (Oboe, dann Streicher), das der Sinfonie das Motto gab.

 


Sidney Corbett: Yaël für Violine und Orchester

1960 in Chicago geboren, studierte Sidney Corbett Musik und Philosophie an der University of California, San Diego, der Yale University, wo er 1989 promovierte, sowie 1985 bis 1988 an der Hamburger Musikhochschule bei György Ligeti. Seit 1985 ist Corbett vorwiegend in Europa tätig. Seine Werke, die Bühnen-, Orchester-, Instrumental-, Solo- und Vokalliteratur umfassen, erhielten zahlreiche Preise und Auszeichnungen im In- und Ausland und werden weltweit aufgeführt. Seit 2006 ist Corbett Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Mannheim und auch Leiter des dortigen Forums für Neue Musik.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner jüngeren Arbeit liegt im Bereich des Musiktheaters. Inzwischen liegen fünf Opern vor, u.a. NOACH, nach einem Libretto von Christoph Hein (Bremen 2001), „UBU: Eine Groteske", nach Alfred Jarry mit einem Libretto von Simone de Mello (Musiktheater-im-Revier Gelsenkirchen 2012) und seine jüngste Oper nach dem Roman „Das große Heft" von Agota Kristof (uraufgeführt im März 2013 am Theater Osnabrück).

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Gattung Lied bzw. Vokalmusik. Es entstanden Zyklen zu Texten von Christine Lavant, Barbara Köhler, Paul Klee und anderen. Literarische Bezüge finden sich aber auch zu seiner Instrumentalmusik, so z.B. zu seinem Werk "Yaël" für Violine und Orchester, das durch Texte von Edmond Jabès inspiriert wurde.

Der Komponist schreibt zu seinem Stück: Yaël ist dem Wesen nach ein weibliches Stück. Die Geige ist die Seele der Yaël, selbst ein Geist aus der verlorenen hebräischen Vergangenheit, die durch die Ruinen der übriggebliebenen Reste eines von Gott verlassenen Judentums, Ruinen aus Fragen, Buchstaben, Büchern schwingt. Mal schwebt Yaël über die polyphon fragenden Stimmen, mal tanzt sie mit den Umherirrenden in der Dunkelheit, mal singt sie in einer echoschallenden Leere.

Yaël ist eine biblische Figur und auch der Titel eines der Bücher der Fragen von Edmond Jabes, das die eigentliche Inspirationsquelle des Werkes bildet. Jabes Werk ist ein einziges, langes Buch: "Als ich, noch als Kind, zum erstenmal meinen Namen schrieb, war mir bewußt, daß ich ein Buch begann". Iris Radisch (in ihrem Nachruf in die FAZ) schrieb: "Das Buch der Fragen" ist voller Menschen, die in kurzen, unverbundenen Merksätzen, in rätselhaften Epigrammen über diese Dinge sprechen, ohne ein Gespräch zu führen. Es sind vielstimmige Wüstentelegramme und Minimonologe über die ewig gleichen Fragen: die Abwesenheit, die Erinnerung, das Jude-Sein und das Exil".

Zu den Sätzen des Werkes: In "breath", ist der Atem Yaëls gemeint, ein leiser Wind, der in zarten, fragenden Flageolett-Tönen über die Wüste bläst. Gegenfragen (das ganze Werk ist ein einziges Hin- und Herfragen), die nach und nach das gesamte Orchester einbeziehen, erwidern der fragenden Violine. Der zweiten Satz, "dark", ist eine Art Tanz im Dunkeln. Die Geige und Steeldrum spielen colla parte, werden von anderen sichtlosen Geistern umgeben, die herumschwirren in der Dunkelheit, alle in ihren eigenen Zeitmaßen, mit wechselnden Partnern, mit der Violine, Yaël immer voraus. Der Titel des dritten Satzes, "shira yaël", bedeutet "Yaëls Lied" bzw. auch "Singe, Yaël!". Der vierte Satz, "archipelago", Archipel, bezieht sich auf Jabes'

Vorstellung der Buchstäben als Inseln oder Oasen inmitten der leeren Wüste oder des Meeres.

Yaël ist dem Violinisten Kolja Lessing gewidmet, mit dem ich das Werk in einer Kette von Begegnungen, Gesprächen und Korrespondenz, die mehr als ein Jahrzehnt umspannt, zusammengeträumt habe.


...........................Pause...........................


Ulrich Leyendecker: 13 Bagatellen für Klavier

Von 1965 bis 1970 studierte Ulrich Leyendecker Komposition und Klavier an der Musikhochschule Köln. 1971 wurde er Dozent, 1981 Professor für Komposition und Theorie an der Musikhochschule Hamburg.

1994 wechselte er an die Musikhochschule Mannheim, wo er im Jahre 2005 emeritierte. In dieser Zeit gehörte er für einige Jahre auch dem Vorstand der Gesellschaft für Neue Musik Mannheim an. Seit 1986 ist er Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg, seit 1997 Mitglied der entsprechenden Akademie in Mannheim.

Ausgehend von der Zweiten Wiener Schule, entwickelte Leyendecker in den 70er Jahren einen eigenen Stil, der den herrschenden Zwängen der Serialität eine unorthodoxe und unakademische Modernität entgegensetzte. Die weiten Bögen seiner Musik, die das Wesen seines Schaffensprozesses entscheidend bestimmen, sind Ausdrucksmittel einer Kompositionsweise, die den großen Zusammenhang sucht, ohne darüber die Sorgfalt im Detail zu vergessen. Jedes rhythmische Element ist genau koordiniert und ausnotiert, was äußerste Präzision in der Wiedergabe erfordert.


Peter Michael Braun: Blue II aus „Miro"

Peter Michael Braun wurde 1936 in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) geboren. Nach dem Abitur studierte er an den Staatlichen Musikhochschulen in Köln und Detmold bei Frank Martin, Bernd Alois Zimmermann, Giselher Klebe und Herbert Eimert die Fächer Komposition und Elektronische Musik (mit der Reifeprüfung als Abschluss); außerdem Schulmusik, Musikwissenschaft und Dirigieren. 1957-61 war er Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Braun erhielt mehrere Kompositionspreise, das Jahresstipendium der Stadt Köln sowie Studienaufenthalte in der Villa Massimo Rom und der Cité Internationale des Arts Paris. Er war als Dozent im Auftrag des Goethe-Instituts in mehreren asiatischen Ländern sowie an der Rheinischen Musikschule Köln und bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik tätig. 1978-2001 wirkte er als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (Heidelberg-) Mannheim.

Peter Michael Brauns Schaffen umfasst Werke aller Gattungen (musikdramatisch, orchestral, vokal, kammer- und kirchenmusikalisch, elektronisch), außerdem viele theoretische Schriften und Vorträge. Sein Oratorium DAS FEUER GOTTES für Solostimmen, gemischten Chor und Orchester mit obligater Orgel wurde am 3. September 2011 in Mannheim uraufgeführt.


Hans-Rudolf Johner: Trio für Klarinetten

Der Schweizer Staatsbürger Rudolf Johner wurde am 28. September 1934 in Schaffhausen geboren. Er studierte am Konservatorium Luzern, an der Musikakademie Zürich, an der Musikhochschule Karlsruhe, an der Staatlichen Musikhochschule Heidelberg-Mannheim sowie am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg. Johner nahm auch an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik teil und erwarb die staatlichen Diplome als Chor- und Orchesterdirigent, als Schulmusiker und für Komposition und Musiktheorie. Als Professor lehrte er diese Fächer an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim; von 1980 bis 1986 war er Prorektor der Mannheimer Musikhochschule. Mehrfach wirkte er als Jury-Mitglied an regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerben mit. Einige Jahre gehörte Johner dem Vorstand der Gesellschaft für Neue Musik Mannheim an. Im Jahr 2001 wurde er mit dem Bundesverdienstkreu-z am Bande ausgezeichnet.

Schwerpunkte des kompositorischen Schaffens von Hans Rudolf Johner sind geistliche Werke und Kompositionen für Orgel.


Wolfgang Ludewig: Reflexionen

 

Wolfgang Ludewig, geboren 1926, stammt aus Marburg, wuchs aber in Mannheim auf und studierte 1946 bis 1952 Komposition bei Wolfgang Fortner sowie Musikwissenschaft in Heidelberg. Bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik nahm er an Kursen bei Leibowitz, Krenek und Varese teil und erhielt dort wichtige Anregungen für sein späteres kompositorisches Schaffen. 1955 bis 1962 wirkte er als Musikkritiker in Mannheim, anschließend leitete er von 1963 bis 1967 die Informationsabteilung des Schott-Verlags Mainz. Von 1968 bis 1992 war Ludewig als Redakteur für Oper und Zeitgenössische Musik beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart tätig Seit 1992 leitete er den Wettbewerb und Förderkurs "Jugend komponiert" des Landesmusikrates Baden-Württemberg.

 

Mit seiner Heimatstadt Mannheim blieb Ludewig zeit seines Lebens eng verbunden. Er ist Mitbegründer der Gesellschaft für Neue Musik e.V. Mannheim und gehörte lange Jahre ihrem Vorstand an. Auch die Freie Akademie der Künste Mannheim zählt ihn zu ihren Gründungsmitgliedern; 1994 bis 1997 war er ihr Präsident. Von 1973 bis 1980 oblag Ludewig die Programmgestaltung des von dem Jesuitenpater Konstantin Fuchs initiierten und geleiteten Studios für Neue geistliche Musik an der Mannheimer Bonifatiuskirche. Das kompositorische Schaffen Ludwigs umfasst ca. 100 Werktitel.

 

 


Hermann Schäfer: Fünf Burlesken für drei Trompeten und vier Posaunen 

Hermann Schäfer wurde 1927 in Rottweil am Neckar geboren. Seine Ausbildung als Pianist, Komponist und Schulmusiker begann er nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1945 in Trossingen und setzte sie 1947 in Heidelberg fort. Nach mehreren Jahren im Schuldienst am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium wurde er 1966 als Professor für Musikerziehung an die  Pädagogische Hochschule Heidelberg und 1974 als Professor für Musiktheorie, Komposition und Analyse an die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Heidelberg-Mannheim berufen; hier war er von 1986 bis 1992 als auch Prorektor tätig. Das kompositorische Schaffen Schäfers umfasst zwei Opern, mehrere Sinfonien, Kammermusik für verschiedenen Besetzungen, Lieder, Chormusik und Stücke für Jugendorchester. Er wurde mit dem Stuttgarter Kompositionspreis und dem Kompositionspreis Pfalz/Dannstadt ausgezeichnet.


 

Arnold Schönberg: Pierrot Lunaire

Schönbergs „Pierrot Lunaire" entstand in der zwischen 1908 und 1916 liegenden Schaffensphase, in der sich der Komponist nicht mehr tonal und noch nicht an der Reihentechnik orientierte. Pierre Boulez bezeichnet das Stück als einen Mittelpunkt, um den sich alle anderen Werke Schönbergs gruppieren. Das Neuartige liegt zum Einen in der Verwendung des Sprechgesangs, zum Anderen, wie bei Strawinskys Geschichte vom Soldaten, in der kleinen, an ein Kammerensemble gebundenen Form. Zusammen mit Strawinskys 1913 uraufgeführtem Ballett „Le Sacre du Printemps" wird der Pierrot oft als das Eingangstor zur Neuen Musik bezeichnet.

Der äußere Anlass für das Stück war ein gut dotierter Auftrag der Schauspielerin Albertine Zehme. Schönberg hatte für die Auswahl der Texte und die Gestaltung des Stücks völlige Freiheit. Er entschied sich für den gleichnamigen französischen Gedichtszyklus von Albert Giraud in der freien Übertragung von Otto Erich Hartleben und vertonte die dreimal sieben Gedichte um den mondsüchtigen Pierrot innerhalb von drei Monaten. Die Uraufführung fand nach 40 (!) Proben unter Schönbergs Leitung am 16. Oktober 2012 in Berlin mit der Auftraggeberin als Rezitatorin statt; den Klavierpart spielte Eduard Steuermann. Das vorwiegend jugendliche Publikum zeigte sich begeistert, doch gab es auch empörende Reaktionen; die Kritik lehnte das Stück überwiegend ab. Zu denen, die von dem Stück „außerordentlich beeindruckt" waren, zählte auch Igor Strawinsky.

Seine eigene Vorstellung zu dem Verfahren mit der Sprechstimmen versuchte Schönberg im Vorwort zu der Partitur wie folgt zu präzisieren: Die in der Sprechstimme durch Noten angegebene Melodie ist (bis auf einzelne besonders bezeichnete Ausnahmen) nicht zum Singen bestimmt. Der Ausführende hat die Aufgabe, sie unter guter Berücksichtigung der vorgezeichneten Tonhöhen in eine Sprechstimme umzuwandeln. Das geschieht, indem er (I.) den Rhythmus haarscharf so einhält, als ob er sänge, d.h. mit nicht mehr Freiheit, als er sich bei einer Gesangsmelodie gestatten dürfte, (II.) sich des Unterschieds zwischen Gesangston und Sprechton genau bewußt wird: der Gesangston hält die Tonhöhe unabänderlich fest, der Sprechton gibt sie zwar an, verläßt sie aber durch Fallen oder Steigen sofort wieder. Der Ausführende muß sich aber sehr davor hüten, in eine <singende> Sprechweise zu verfallen.

Im Instrumentalsatz des Pierrot hat Schönberg Klangfiguren mit ausgeprägt thematischen Tendenzen geschaffen. Die Besetzung ändert sich in der Zahl und in den Kombinationen der Instrumente von Stück zu Stück. Das gesamte Instrumentarium wird nur im letzten Stück eingesetzt. Besonders hinzuweisen ist auf die Wechselbeziehungen zwischen dem Text und der Instrumentierung. Schönberg hat mit dem instrumentalen Teil des Stücks ein äußerst subtiles kontrapunktisches und koloristisches Geflecht geschaffen, das stets auf den Text und auf den Inhalt der vertonten Gedichte ausgerichtet ist.

 


Igor Strawinsky: Le Sacre du Printemps

Die Uraufführung von Strawinskys Ballet „Le Sacre du Printemps" am 29. Mai 1913 im Pariser Theatre Camps-Elysées löste einen der größten Theaterskandale aus, die sich je ereignet haben. Eine anwesende Journalistin fasste dieses Ereignis in den folgenden Worten zusammen: Das Theater schien von einem Erdbeben heimgesucht zu werden. Es schien zu erzittern. Leute schrien Beleidigungen, buhten und pfiffen, übertönten die Musik. Es setzte Schläge und sogar Boxhiebe.

Solche Emotionen ruft das Stück heute, nach 100 Jahren, nicht mehr hervor. Es gehört mittlerweile zum regelmäßigen Repertoire gängiger Konzertprogramme und vermag auch eingefleischteste Gegner der Neuen Musik nicht mehr aus der Fassung zu bringen. Von seiner radikalen Faszination hat es allerdings nichts eingebüßt; geändert haben sich dagegen die Hörgewohnheiten des Konzertpublikums.

Die Stoffidee zu dem Stück stammt von Strawinsky selbst. Während der Arbeiten am Feuervogel, dem ersten der drei großen Pariser Ballette, hatte er die Vision von alten, weisen Männern, die im Kreis sitzen und dem Ritualtanz eines Mädchens zuschauen, das geopfert werden soll, um den Gott des Frühlings günstig zu stimmen. Mit diesem Einfall wandte sich der Komponist an seinen Freund Nicolas Roerich, einen Maler und profunden Kenner der russischen Geschichte und ihrer Traditionen. Gemeinsam entwarf man das Konzept für die „Bilder aus dem heidnischen Russland" (so der Untertitel des Werks). Der eigentliche Spritus rector des Stücks ist freilich der in Paris tätige Impressario und Direktor des „Ballet russe" Sergej Diaghilew gewesen, der Strawinsky, als dieser sein zweites Ballett „Petruschka" fertig gestellt hatte, drängte, aus dieser Idee ein (weiteres )Ballett zu machen.

Das Werk beginnt mit einem ornamentalen Fagottsolo, das nach Strawinskys eigenem Bekunden auf ein russisches Volkslied zurückgehen soll. Im weiteren Verlauf des aus sieben Szenen bestehenden ersten Teils (Die Anbetung der Erde) tritt das Melos zunehmend hinter einer immer nachdrücklicher und unerbittlicher werdenden Rhythmik mehr und mehr zurück. Chromatische Akkordtürme bestimmen das musikalische Geschehen, in dem sich nicht nur Sekund- und Septballungen reiben, sondern bei ständigem Taktwechsel auch die verschiedensten rhythmischen Gestaltungen aufeinander prallen (Polyrhythmik) und so eine Struktur entstehen lassen, deren Komplexität das Ohr oft kaum noch zu erfassen mag. Im zweiten deutlich abgesetzten Teil (Das Opfer), der aus sechs Szenen besteht, steigert sich das Ganze - von einigen lyrischen und ruhigen Passagen unterbrochen - zu einer rhythmisch stampfenden Klangorgie, die im Opfertanz der Auserwählten mit massiven Blöcken ihren Höhepunkt erreicht.


 

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Kolja Lessing,

ist einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit. Als Geiger und Pianist hat er durch seine Verbindung von interpretatorischer und wissenschaftlicher Arbeit dem Musikleben prägende Impulse verliehen. Durch seinen Einsatz wurden z. B. Georg Philipp Telemanns Violinfantasien und Johann Paul Westhoffs Violinsuiten ebenso für den Konzertsaal wiederentdeckt wie auch viele bedeutende Klavierwerke des 20. Jahrhunderts, u. a. von Berthold Goldschmidt, Philipp Jarnach, Ignace Strasfogel und Wladimir Vogel. International ausgezeichnete CD-Produktionen dokumentieren diese stilistisch differenzierte Auseinandersetzung mit dem Repertoire vom Barock bis zur Moderne, das Standardwerke wie Raritäten gleichermaßen umfasst.

KoIja Lessings weltweite Konzert- und Aufnahmetätigkeit als Geiger und Pianist beinhaltet sowohl die Zusammenarbeit mit führenden Orchestern unter Dirigenten wie Yakov Kreizberg, Nello Santi und Lothar Zagrosek als auch verschiedenste kammermusikalische Projekte. In Anerkennung seines Engagements für verfemte Komponisten erhielt er 1999 den Johann-Wenzel- Stamitz-Sonderpreis, 2008 wurde er mit dem Deutschen Kritikerpreis für Musik ausgezeichnet. 2010 kam die Fernseh-Dokumentation "Ferne Klänge" über seinen Einsatz für Musik im Exil zur Erstsendung.

Zahlreiche Uraufführungen von Violinwerken, die Komponisten wie Haim Alexander, Tzvi Avni, Abel Ehrlich, Jacqueline Fontyn, Berthold Goldschmidt, Ursula Mamlok, Dimitri Terzakis, Hans Vogt und Sidney Corbett eigens für KoIja Lessing schrieben, spiegeln sein internationales Renommee ebenso wie regelmäßige Einladungen zu Meisterkursen in Europa und Nordamerika.

Nach Professuren für Violine und Kammermusik an den Musikhochschulen Würzburg und Leipzig wirkt er seit dem Jahre 2000 in gleicher Funktion an der Musikhochschule Stuttgart. Seine eigene grundlegende musikalische Ausbildung erhielt KoIja Lessing bei seiner Mutter und später bei Hansheinz Schneeberger in Basel, wo er sich auch kompositorischen Studien widmete. Prägende künstlerische Anregungen gewann er darüber hinaus aus der Zusammenarbeit mit Berthold Goldschmidt, Ignace Strasfogel und Zoltan Szekely.


 

Franz Mazura

wurde 1927 in Salzburg geboren. Seine Gesangsausbildung erhielt er an der Musikakademie in Detmold; zur gleichen Zeit war er am Landestheater Detmold als Schauspieler engagiert. Über Kassel, Mainz und Braunschweig kam Franz Mazura ans Nationaltheater Mannheim. Hier gehörte er mehr als 20 Jahre dem Opernensemble an und war in allen großen Rollen seines Fachs zu hören. In nachhaltiger Erinnerung geblieben sind besonders seine Wagnerinterpretationen (Wotan, Klingsor, Gurnemanz), die Titelrolle in Aribert Reinmanns Oper „Lear" und auch sein Moses in Schönbergs „Moses und Aron".

Neben seinem Mannheimer Engagement machte Franz Mazura eine bedeutende internationale Karriere, die ihn an die großen Opernhäuser der Erde (u.a. München, Genf, Brüssel, Mailand, Wien, London, Paris, New York) und über einen regelmäßigen Zeitraum von fast 25 Jahren auch regelmäßig zu den Festspielen in Bayreuth und Salzburg führte. Legendär ist seine Interpretation des Dr. Schön in der Pariser Uraufführung der dreiaktigen Fassung von Alban Bergs „Lulu" unter Pierre Boulez. Die daraus entstandene CD ist ebenso wie die Aufnahme von Schönbergs „Moses und Aron" unter Georg Solti mit dem Grammy Award ausgezeichnet worden.

Noch bis in die jüngste Zeit war der inzwischen mit dem Titel eines Kammersängers geehrte Künstler an der "Met" in New York und an der Pariser Oper mit der Rolle des Schigolch in der Oper „Lulu" zu hören. Überwiegend betätigt sich Franz Mazura jedoch seit einigen Jahren als Rezitator und auch hin und wieder als Schauspieler. So trat er als König Lear in Shakespeares gleichnamigem Drama am Stuttgarter Schauspiel auf.

Viele Opernfreunde freuen sich an seinen Illustrationen etwa zu dem Opernführer auf Pfälzisch. 1990 wurde Franz Mazura zum Ehrenmitglied des Mannheimer Nationaltheaters ernannt; 2004 erhielt er die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg.

Den „Pierrot Lunaire" hat Franz Mazura bei der Gesellschaft für Neue Musik Mannheim bereits in den Jahren 2000 und 2007 (19. Oktober) interpretiert.


Das Sinfonieorchester der Musikhochschule Mannheim

 

dient in erster Linie der Ausbildung im Orchesterspiel. Ziel der Proben und Konzerte ist es, innerhalb eines Studiums von durchschnittlich 8 Semestern den Studierenden
eines Orchesterinstrumentes einen repräsentativen Überblick über das Repertoire und die professionelle Arbeitsweise eines Orchesters in der Praxis zu vermitteln. Die Fähigkeit des Orchesterspiels muss ebenso trainiert werden wie das Musizieren von Kammermusik oder Solokonzert, wobei die einzelnen Disziplinen sich ergänzen: sich der Gruppe anpassen, sich gegenseitig zuhören, Initiative ergreifen (vor allem an den ersten Pulten) und nach dem Schlag des Dirigenten spielen, das sind die vornehmlich zu entwickelnden Fähigkeiten beim Orchesterspiel.

 

Darüber hinaus soll das Sinfonieorchester durchaus auch ein Aushängeschild der Musikhochschule sein, denn es repräsentiert in sich die Mehrzahl der in diesem Institut angebotenen Instrumentalfächer.

 

Um all diesen Aufgaben und Interessen gerecht zu werden, gliedert sich die Arbeit des Sinfonieorchesters in zwei Phasen: Am Beginn jedes Semesters steht eine intensive Arbeitsphase, bei der in einer Woche ein Konzertprogramm geprobt und anschließend in mehreren Konzerten präsentiert wird. Hierbei geht es um genaueste Einstudierung der Werke und professionelle Probetechniken, die zu Ergebnissen führen sollen, den hohen Maßstäben gerecht werden. Wegen der unvermeidbaren Fluktuation solch eines Orchesters sind solche intensiven Phasen zu Beginn des Semesters von großer Wichtigkeit, um sich aufeinander einzuspielen, aber auch sich persönlich besser kennen zu lernen.

 

Die zweite Arbeitsphase findet dann eher gegen Ende des Semesters statt und ist dem Kennenlernen von Orchesterrepertoire gewidmet. Hierbei geht es auch um das Vom-Blatt-Spielen oder zumindest um das schnelle Erfassen bei weniger Vorbereitungszeit. Die Werke werden soweit erarbeitet, dass jeder einen Eindruck von den Schwierigkeiten, aber auch Schönheiten darin bekommt, d.h. nur durchgespielt wird nicht, sondern durchaus auch geprobt, nur nicht ganz so detailliert, dafür aber mehr Werke.

 

Das Sinfonieorchester der Musikhochschule hat natürlich gegenüber professionellen Orchestern den Nachteil der ständigen Fluktuation und der noch nicht so ausgebildeten Erfahrung der einzelnen Musiker, aber durch die immer stärker werdende Konkurrenz und die dadurch immer härter werdenden Aufnahmebedingungen an allen Musikhochschulen ist das instrumentale Niveau der Studierenden in letzter Zeit sehr angestiegen, so dass im Ergebnis, auch durch die noch stärkere Begeisterungsfähigkeit das Konzert eines Hochschulorchesters dieser Güte von dem eines professionellen Orchesters' kaum zu unterscheiden sein dürfte.

 

Das Sinfonieorchester der Hochschule konzertiert regelmäßig auch im Ausland. Seit 2001 besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Orchester der Seoul National University, die gemeinsamen Tourneen durch Deutschland, Korea und die USA (Carnegie-Hall New York) wurden von der Kritik enthusiastisch gefeiert.

 

Das Sinfonieorchester wird seit 1993 von Prof. Klaus Arp betreut, der für die Orchestererziehung und die Kapellmeisterausbildung an der Mannheimer Musikhochschule verantwortlich ist. Klaus Arp begann seine Laufbahn als Pianist und Assistent an der Hamburger Staatsoper und war zuletzt Chefdirigent des Rundfunkorchesters Kaiserslautern (SWR).

 


INCONTRO,

 

das Ensemble für Neue Musik, wurde 1997 von Prof. Peter Braschkat gegründet. Für Dirigenten gibt es die Möglichkeit, mit größeren Ensembles zeitgenössische Musik zu vermitteln. Studierende der Orchesterabteilungen lernen den Umgang mit neuen Spieltechniken. Für Komponisten ist es ein Forum, die eigenen Stücke zu probieren und aufzuführen. Die Besetzung des Ensembles richtet sich nach den Werken, die im Programm angeboten werden. Kompositionen nach 1950 bis zur Gegenwart werden bevorzugt. Wiederholt hat das Ensemble INCONTRO Konzerte bei der Gesellschaft für Neue Musik Mannheim bestritten.

 

Seit 2010 liegt die Verantwortung dieses Ensembles bei den Professoren Klaus Arp und Sidney Corbett.