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Hänsel und Gretel

Märchenoper in 3 Bildern von Engelbert Humperdinck
Studierende der Opernschule und der Gesangsklassen
Sinfonieorchester der Hochschule
Regie: Götz Fischer
Musikalische Leitung: Cosima Sophia Osthoff
Veranstalter: Theater der Stadt Heidelberg
http://www.theaterheidelberg.de

Montag, 13. Mai 2013
19:30
Uhr
Theater der Stadt Heidelberg
69117 Heidelberg Theaterstraße 10
Eintritt: € 30 / € 27 / € 22 / € 15
erm. 50 %
Kartentelefon: 06221 5820000

   
 
 
Musikalische Leitung:

Cosima Sophia Osthoff


Inszenierung:


Götz Fischer


Bühne:


Christian de la Rosée


Kostüme:


Götz Fischer


Mit:


Gretel:

Violetta Hellwig
Saerom Park


Hänsel:

Isolde Ehinger
Lea Hammermeister


Mutter:

Elena Nasteska-Schott
Yuan Zhang


Vater:

Keon-Woo Park


Hexe:

Ludovica Bello
Min Li


Sandmann:

Annina Weidner
Amelie Petrich
Ayano Dozono


Taumännchen

Seung Min Baek
Ayano Dozono
Amelie Petrich

Ein Kuckuck: ***

Chor (Sopran, Alt) Fabienne Arnold, Seung Min Baek, Jina Choi, To Minh Dang, Judith Devise, Ayano Dozono, Tirza Härer, Anna Hans, Verena Hilger, Verena Knirck, Nicole Kropmaier, Soyong Park, AmeliePetrich, Natalya Popova, Elsa Riebelmann, Bettina Sander, Andreja Savic, Annina Weidner, Alina Wunderlin

Regieassistenz

Susanne Gauchel, Barbara Kerscher

Musikalische Assistenz

Juheon Han, Andrey Litvinenko

Musikalische Einstudierung

Barbara Baun, Gary Kudo, Mihaela Tomi, James Ponman

Sprecherziehung

Sandra Schuschan

Körperschulung

Andrea Haupt, Rafael Valdivieso

Bühnenmeister

Jan Tiggeler, Stephan Werner

Bühnentechnik

siehe Abendaushang

Beleuchtung

Ronny Bergmann

Kostümmitarbeit

Heike Kehl

Maske

Claudia Koch und Marion Bähr

Hinter den Kulissen

Alexandra Allbach, Magdalena Batkai, Franziska Bösch, Christine Grötzinger, Emanuel Kremer, Alexander Lenz, Damaris Lutz, Edna Rieger,Marco Rödiger 
   
Gedanken zur Inszenierung von HÄNSEL und GRETEL
Allen Kindern und Erwachsenen ist die Geschichte von Hänsel und Gretel so gegenwärtig und bekannt wie fast alle der Grimm-Märchen. 2013 feiern wir nicht nur das WAGNER- und VERDI-Jahr, sondern auch das der Brüder Grimm, deren "Kinder- und Hausmärchen" Ende 1812 erschienen sind und bis 1857 mehrfach überarbeitet und autorisiert herausgegeben wurden. Wir wissen heute, dass die Erstausgabe, ein literarisches Ereignis von Rang, eigentlich für Kinder gar nicht gedacht war. Erst die Überarbeitungen haben die Märchen sozusagen kindgerecht zum Vorlesen gemacht; das Märchen von HÄNSEL und GRETEL wurde mehrfach variiert: das Erotische verschwindet, Zeitgenössisches wird miterzählt: kindliche Reinheit wird betont und formuliert. Die eigentlich gar nicht zimperlichen Volksmärchen werden verniedlicht und über Generationen so weitergegeben.

Wie soll eine Inszenierung von heute darauf reagieren?

Engelbert Humperdinck, ein sorgfältig hörender und sehender Mitarbeiter Richard Wagners, hat ein großes Werk komponiert (auf den so harmlosen Reim-Text seiner Schwester A. Wette) mit großem Orchesterapparat. Eine große Herausforderung für die Orchestermusiker, die aufs Äußerste gefordert werden. Die Oper verlangt Sänger(Innen) mit großen stimmlichen und schauspielerischen Fähigkeiten. Die Musik Humperdincks ist von grandioser Schlichtheit mit Erinnerungsmotiven, wie ich sie bezeichnen würde, und gewaltigem Einsatz aller Orchesterstimmen.

Man hat den Eindruck, der Komponist will mit seiner Musik einfach geliebt werden. So prophezeite Richard Strauss als Dirigent der Uraufführung in Weimar 1893: ” … man werde diese Oper mit dem so bekannten Märchen in die 'Arme nehmen und herzen' “. Aber: ist diese Oper wirklich nur ein Märchenspiel?

Die aufgedonnerte Mutter ist eine herzlose Trinkerin und Spielerin, der Vater ein Trinker und von Ängsten geplagt; sie versucht mehrmals einen Mordanschlag auf ihre (Stief)Kinder, beim 3. Mal gelingt es, die Kinder verirren sich im Wald und treffen auf eine mörderische Hexe, von der es heißt: ”kam ein Kind zu ihr, machte sie es tot, kochte es und aß es, das war ihr ein Festtag“ - Aha , gar nicht märchenhaft, sondern eine mörderisch grausame Geschichte.

Skurrile Figuren wie ein Sandmännchen und ein Taumännchen mit ihrem tröstenden Lied nehmen dem Zuschauer vorerst den Schrecken.

Aber die Hexe: wer ist sie? Ein Abbild der (Stief)Mutter? Eine große Gretel? Vor allem eine Angst machende Figur und … eine wunderbare Rolle! Aber eben nicht eine märchenhafte hakennasige Hexe, sondern eine heutige …wie die wohl aussehen mag? .....

So heutig sind auch die Rollen der Darsteller: erwachsene Studenten der Hochschule spielen junge furchtsame Kinder - sie sind es aber nicht! Sie fallen auch immer wieder aus der erlernten Rolle. Die Oper Humperdincks ist natürlich auch selbstironisch und verfügt über einen vertrackten Humor, ist aber - wie ich sie höre - auch von einer tiefen Traurigkeit; die Musik virtuos, grotesk, märchenhaft, komisch und brutal. Kinder werden möglicherweise nicht wie gewohnt auf ihre Kosten kommen…. aber auch keinen Schaden nehmen.....

So meine ich, dass eine heutige Inszenierung keine verlogenen romantischen heilen ”Lebkuchen“-Bilder zeigen darf, sondern das so oft verkitscht gezeigte Meisterwerk der Opernliteratur muss aus heutiger Sicht mit allen erspielten szenischen Figuren und Bildern erzählt werden.

Götz Fischer

   
Im Wald stirbt‘s sich doppelt schön.
Kinder haften für ihre Eltern. Oder: 6 Gründe, warum es hochgradig kindisch ist, das Stück von Johannes und Annegret nur zu Weihnachten zu spielen.
(1)

Donnerwetter, wenn das nicht brandaktuell ist: Der Generationenvertrag wurde klammheimlich aufgekündigt und das Prekariat jagt seine Kinder nicht mehr zur Prostitution auf die Straße sondern zum Gefressenwerden in den Wald. Auch, was die Frauenquote angeht, ist Humperdincks "Hänsel und Gretel" geradezu visionär: Als vorweggenommenes Abbild einer postpatriarchalischen Gesellschaft ist nur der Vater auch stimmlich ein Mann. Vielleicht trinkt er deshalb?

(2)

Die Crux von Humperdincks ”Hänsel und Gretel“ sind nicht die schwierigen Frauenrollen; schwierige Frauen gibt es in "Elektra" auch. Das Killerkriterium sind die Lebkuchen. Die fatale Assoziationskette Lebkuchen = Weihnachten hat dazu geführt, dass Humperdincks Opus maximum nur in der Adventszeit aufgeführt wird. (Es soll tapfere staatliche Musikhochschulen geben, die das anders sehen.) Aber was heißt hier schon Lebkuchen! Todkuchen wäre passender. Und dann – zack – von seelenlosen Disponenten gewaltsam ins kalendarische Glühwein-Ghetto verbannt.

(3)

Absolut wahr hingegen ist, dass auch das Opernschicksal mit ungerechter Hand regiert: Die Färbers (genau, die aus Strauss' ”Frau ohne Schatten“) wünschen sich so dringend ein Kind, die Besenbinders (richtig, die aus Humperdincks ”Hänsel und Gretel“) haben zwei übrig. Diese Eltern, deren Nachname im Stück übrigens aus Rücksicht nie erwähnt wird, sind heillos überfordert. Multitasking quasi: Geld verdienen, Geld ausgeben und an der falschen Stelle sparend. Die Frau vom Jugendamt (Stimmfach: hysterischer Sopran) war schon lange nicht mehr da, und auch das ist sehr gegenwartsnah. Andererseits soll es Eltern geben, die ihre Kinder aus nichtigeren Gründen loswerden wollen. Die Eltern von Hänsel und Gretel schicken die beiden Kinder schließlich nicht zum Verhungern fort, sondern in eine bessere Zukunft. Schlechter als die Gegenwart könne die Zukunft nicht sein. Dachten sie. Wer ahnt denn, dass im Wald Menschenfresser wohnen. Noch dazu getarnt.

 (4)

Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: ”Hänsel und Gretel“ ist das Machwerk von nicht weniger als drei Geschwisterpaaren. Die Brüder Jacob und Wilhelm besorgten die Stoffsammlung und deren belletristische Aufbereitung, die Geschwister Engelbert und Adelheid zeichnen für Komposition und Libretto verantwortlich und die Hauptrollen spielen zwei Geschwister. ”Ja und!?“, werden renitente Gemüter nun abwinken, in der ”Walküre“ lieben sich sogar zwei Geschwister. (5)

Damals, als alleinstehende Frauen sich noch mit Feinbäckerei die Baugenehmigung für ein Haus mitten im Forst erschleichen konnten, war der Wald noch viel dunkler. Besonders tagsüber; nachts fiel seine Dunkelheit weniger auf. Und an den wenigen Stellen, an denen Tageslicht durch die dichten Laubdächer fiel, waren nirgends Wegweiser auf Radoder Wander-Routen zu entdecken. Ob das Fahrrad bereits erfunden war, ist ohnehin fraglich. Ja, wird der moderne Mensch nun fragen, hatten die beiden Ausgesetzten denn kein Handy mit Navigationsfunktion dabei? Selbst wenn! Grimm-Geeks wissen: In Wäldern, die derart dunkel sind, hat man niemals ein Netz. Nicht einen einzigen Strich. (6)

Das Lockmittel der in jeder Hinsicht lasterhaften ”Hexe“ ist bezeichnenderweise kein Bottich mit heißer Hühnerbrühe, also etwas, das ernährungsphysiologisch und emotional wertvoll weil selbstgemacht wäre, sondern ein zuckersüßes Fertigprodukt, das sie selbst hergestellt zu haben nur vorgibt. Realiter ist das Hexenhaus der Grimms ein Konsumtempel und bloß eine weitere Zwischenstation zur Jugend-Diabetes. Die Folgen sind heute überall sichtbar und, so es sich nicht vermeiden lässt, mit Händen greifbar: Junge Menschen mit den Silhouetten verspielter Flusspferde.

Ein Fazit: Kehrt man einiges von der weihrauchdurchwehten Pickelhauben-Pädagogik der Entstehungszeit forsch beiseite, zeigt sich, geprägt vom ursprünglichen Freigeist der Brüder Grimm, ein Stück mit erstaunlich vielen Gegenwartsbezügen. Das Stück muss deshalb nicht in einer Eisdiele spielen, könnte es aber. Und das – in kalendarischer Hinsicht jederzeit!
Aber jetzt: Handy aus. ... Ganz aus! ...

Na bitte, geht doch.

Quelle: Axel Simon, ”Im Wald stirbt's sich doppelt schön“ ist ein Originalbeitrag für dieses Programmheft.
   
Biographische Notiz

Cosima Sophia Osthoff

Cosima Sophia Osthoff begann ihre Theaterkarriere 1990 am Theater der Hansestadt Lübeck. Zielstrebig verfolgte sie ihren Weg als Dirigentin über die Stationen Oldenburg, Coburg und Trier, wo sie bereits 1. Kapellmeisterin und stellvertretende GMD war, bevor sie 2001 als 1. Kapellmeisterin ans Musiktheater im Revier Gelsenkirchen berufen wurde. Dort dirigierte sie bis 2008 zahllose Produktionen und machte sich weit über die Stadt hinaus einen Namen. So wurde sie mehrfach zu einer der besten Dirigenten in Nordrhein-Westfalen gewählt.

Seit Herbst 2008 hat Cosima Sophia Osthoff die Professur der Musikalischen Leitung der Opernschule an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim inne und ist seit 2010 auch Leiterin des Instituts. 2011 wurde unter ihrer Leitung eine höchst erfolgreiche Produktion von Poulencs ”Gespräche der Karmeliterinnen“ herausgebracht. In Kooperation mit dem Nationaltheater Mannheim wurde im April 2012 das Werk ”Echt?“ an der Jungen Oper uraufgeführt, und im Mai 2012 war die Opernschule mit Mozarts Jugendwerk ”Bastien und Bastienne“ bei den Schwetzinger Festspielen des SWR im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses zu Gast.

   
Biographische Notiz

Götz Fischer

Götz Fischer, in Heidelberg geboren, studierte evangelische Theologie und Philologie sowohl in seiner Heimatstadt als auch in Wien am Max-Reinhardt-Seminar. Es folgten Assistenzen an der Volksoper Wien, bei den Salzburger Festspielen und am Staatstheater Stuttgart. Über 100 Inszenierungen von Opern und Operetten führten ihn an zahlreiche Opernhäuser, so zum Beispiel an das Staatstheater Karlsruhe (”La Cenerentola“, ”Così fan tutte“), als Oberspielleiter an das Staatstheater Saarbrücken (”Tristan“, ”Wozzeck“, ”Maskenball“, ”Fidelio“, ”Die Meistersinger von Nürnberg“ u. v. a. m.), an das Stadttheater Bielefeld (”Boris Godunow“, ”Lohengrin“, ”Salome“, ”Die Fledermaus“, ”Figaros Hochzeit“, ”Das Schlaue Füchslein“ u. v. a. m.) und an das Staatstheater Nürnberg. An diesem Haus machte er sich einen besonderen Namen mit süddeutschen Erstaufführungen zeitgenössischer Opern wie ”Le grand Macabre“, ”Baal“, ”Graf Mirabeau“, ”Die englische Katze“, Ernst Křeneks ”Drei Einakter“ und einem Spielfilm für den SWF Baden-Baden: ”Das schöne irre Judenmädchen“ (Musik: Wolfgang Rihm).

Götz Fischer lehrte an der Universität Mozarteum Salzburg, an der Kammeroper Schloss Rheinsberg, der Hochschule Felix-Mendelssohn-Bartholdy Leipzig, am Rimsky-Korsakow-Konservatorium in St. Petersburg sowie am Caracas Teatro Carenjo.

Seit Oktober 2012 vertritt Götz Fischer die Professur der szenischen Leitung der Opernschule an der Musikhochschule Mannheim.

   
Biographische Notiz

Christian de la Rosée

Christian de la Rosée ist seit der Spielzeit 2010 als Technischer Direktor am Nationaltheater Mannheim engagiert. Zuvor war er in München am Cuvillies Theater als Technischer Direktor tätig. Er war dort an der letzten Umbauphase beteiligt und für die Wiedereröffnung des Cuvillies Theaters 2008 mit Idomeneo unter der Regie von Dieter Dorn engagiert. Von 1996-2005 arbeitete er am Staatstheater am Gärtnerplatz in München erst als stellvertretender Technischer Direktor, Ausstattungsleiter und Werkstättenleiter, ab 2005 dann als Technischer Direktor, Ausstattungsleiter und Werkstättenleiter. Seine Lehrjahre verbrachte er als Assistent des Technischen Direktors und Ausstattungsleiters am Stadttheater Aachen. Für insgesamt 24 Inszenierungen hat er in Aachen, Mannheim, München und Biel als Bühnenbildner gearbeitet.
   
Wir danken
Prof. Katharina Dau, Prof. Anna Maria Dur, Prof. Rudolf Piernay, Prof. Dr. Alejandro Ramirez, Prof. Snezana Stamenkovic, Prof. Dr. Martina Krause, sowie den Lehrern der Instrumentalklassen und den Kollegen in Verwaltung, Konzertbüro und Hausdienst und allen anderen hier nicht genannten Helfern für ihre Unterstützung und Mitarbeit

dem Nationaltheater Mannheim für die mannigfaltige Unterstützung, den technischen Werkstätten für die Herstellung der gesamten Dekoration; besonders Anne Schneider und Maria Zöllner-Meyer für die Malerei, Stefanie Durstberger für die Erstellung der Requisiten, den Fundusleitern Eleni Chava und Klaus Schneider; außerdem Wen Kan für die Assistenz der Ausstattung